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Amoklauf in Newton: Newtown beerdigt Opfer des Massakers

Erste Opfer des Amoklaufs in einer Grundschule wurden beerdigt. Foto: Peter Foley

Erste Opfer des Amoklaufs in einer Grundschule wurden beerdigt. Foto: Peter Foley

Newtown -

Nach dem Massaker an einer Grundschule in Newtown wächst in den Vereinigten Staaten die Unterstützung für schärfere Waffengesetze. Während die Stadt im US-Bundesstaat Connecticut Abschied von den 26 Opfern der Sandy-Hook-Grundschule nimmt, sprach sich in einer Umfrage eine deutliche Mehrheit der US-Bevölkerung für Beschränkungen im Umgang mit Waffen aus. In Washington äußerten mehrere Senatoren ihre Bereitschaft, über Verschärfungen zu verhandeln. In Newtown sollten am Dienstag zwei sechsjährige Mädchen zu Grabe getragen werden. Bereits am Montag waren zwei gleichaltrige Jungen beerdigt worden.
Hunderte Trauergäste folgten den Toten. Kameras waren nicht zugelassen. „Wenn man diese kleinen Särge sieht, bricht es einem das Herz“, sagte der Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy.
Insgesamt kamen bei dem Massaker am vergangenen Freitag 28 Menschen zu Tode. Der Amokläufer Adam Lanza erschoss 20 Kinder. Sie waren alle sechs und sieben Jahre alt. Auch sechs Mitarbeiterinnen der Schule starben, außerdem die Mutter des Täters. Lanza hat sich nach Angaben der Polizei selbst erschossen. Sein Motiv lag auch am Dienstag noch im Dunkeln.

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Die Sandy Hook Elementary School blieb weiter geschlossen. Die übrigen Schulen in der Stadt öffneten dagegen wieder. „So schwer es ist, wir müssen weitermachen“, zitierte der Sender MSNBC eine Lehrerin an einer High School.
In Washington kündigte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein für Januar einen neuen Vorstoß im Kongress für ein Verbot von Sturmgewehren an. Lanza hatte bei seinem Amoklauf eine solche Waffe benutzt. Er gab nach Polizeiangaben mehrere hundert Schüsse ab, seine Opfer wiesen jeweils bis zu elf Schusswunden auf.
Auch Präsident Barack Obama tritt für ein Verbot von Sturmgewehren ein. Bei einer Trauerfeier in Newtown am Sonntagabend (Ortszeit) hatte er Schritte gegen die Waffengewalt gefordert: „Solche Tragödien müssen enden“.
Seit Jahren hat es in den USA praktisch keinen Vorstoß für schärfere Waffengesetze gegeben - sie hätten sich im Kongress auch kaum durchsetzen lassen. Nicht nur die meisten Republikaner waren dagegen, sondern auch viele Demokraten. Das lag auch zum Teil am Druck der NRA (National Rifle Organisation), der mächtigen Organisation der Waffenlobby, die vier Millionen Mitglieder hat.

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Der ansonsten höchst aktive Verein ist nach dem Schulmassaker auf Tauchstation gegangen. Auch vier Tage nach dem Amoklauf war am Dienstag nichts auf der Website des Vereins zu lesen. Auch bei Twitter schwieg die National Rifle Association. Die letzte Neuigkeit bei den „Neuigkeiten“ war Werbung für ein Buch des früheren Marines-Offiziers Oliver North, der mit Waffenschmuggel in den 1980er Jahren für die einen zum Helden und für die Justiz zum Straftäter geworden war.
Joe Manchin, Senator des US-Bundesstaates West Virginia und langjähriges NRA-Mitglied, sagte am Montag, das Schulmassaker habe ihn nachdenklich gemacht. Es sei nun Zeit, über ein Verbot von Sturmgewehren zu sprechen. Ähnlich äußerte sich Senator Mark Warner aus Virginia, ebenfalls begeisterter Jäger und Waffenbesitzer.
In einer Umfrage des US-Fernsehsenders ABC und der „Washington Post“ sprachen sich 44 Prozent der US-Bürger für strengere Waffengesetze aus. 32 Prozent waren dagegen. Es sei das erste Mal in fünf Jahren, dass bei derartigen Umfragen der beiden Medien eine so deutliche Mehrheit für Beschränkungen eingetreten sei, hieß es.
Nach den Ereignissen in Newtown will sich der Finanzinvestor Cerberus von dem Waffenhersteller trennen, der das bei dem Amoklauf benutzte Sturmgewehr produziert hat. „Es ist nicht unsere Aufgabe, in die Debatte um Waffenkontrolle einzugreifen. Das ist Sache des Gesetzgebers“, erklärte das Unternehmen am Dienstag in New York. „Es gibt aber gleichwohl etwas, das wir als Unternehmen tun können. Deshalb haben wir umgehend einen Prozess eingeleitet, um uns von unserer Beteiligung an der Freedom Group zu trennen.“