Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Pfleger in Aachen vor Gericht: Würdelose Fotos mit Patienten gemacht

Der Angeklagte Stefan K., die Anwälte Michael Janßen, Heiko Platz und Helmut Leuchter und der Angeklagten Rafal Poitr B., Kristof H. und Cem K. warten vor einem Prozess gegen fünf frühere Krankenpfleger des Aachener Klinikums wegen heimlicher Bildaufnahmen von hilflosen Patienten auf den Beginn.

Der Angeklagte Stefan K., die Anwälte Michael Janßen, Heiko Platz und Helmut Leuchter und der Angeklagten Rafal Poitr B., Kristof H. und Cem K. warten vor einem Prozess gegen fünf frühere Krankenpfleger des Aachener Klinikums wegen heimlicher Bildaufnahmen von hilflosen Patienten auf den Beginn.

Foto:

dpa

Aachen -

Nachtdienst in der Notaufnahme des Aachener Klinikums. Der 32-jährige Krankenpfleger soll mit einem Kollegen aus der Notaufnahme eine Patientin zum Röntgen abholen, wie er am Dienstag vor dem Aachener Amtsgericht schildert. Die Frau hat einen Sauerstoffschlauch im Gesicht. „Wir fahren jetzt zum Fotografen“, sagen sie demnach der Frau scherzhaft - und sollen sich dann laut Anklage für ein Foto zu der Frau ins Bett gelegt haben. „Da haben wir uns nichts bei gedacht“, sagt einer der beiden vor Gericht.

So oder so ähnlich bekommt das die Richterin noch mehrfach zu hören. Fünf Krankenpfleger im Alter zwischen 25 und 32 Jahren sind angeklagt. Alle haben sie in der Notaufnahme des Aachener Klinikums gearbeitet: Auf dem ersten Blick wirken sie neben ihren Verteidigern unauffällig.

Entwürdigende Fotos und Videos

Am ersten Verhandlungstag tun sich aber Abgründe auf. Von neun hilflosen Patienten, die nicht klar bei Bewusstsein waren - etwa weil sie dement waren oder gerade aus der Narkose aufwachten - sollen die Angeklagten in wechselnder Beteiligung entwürdigende Fotos und ein Video gemacht haben. Fotos wie dieses: Ein Pfleger steht laut Anklage neben einer unbekleideten Patientin in Seitenlage, seine Hände auf ihrem Körper, die Zunge weit ausgestreckt.

Schichtübergabe in der Notaufnahme an einem Tag im Sommer 2014. Einer der Angeklagten hinterlässt seiner Kollegin im Zimmer eines Patienten eine Liebeserklärung auf einem Zettel: „I love you....“, wie er vor Gericht sagt. Später bekommt er ein Foto: Die Kollegin mit dem Patienten - auf der nackten Brust des Kranken ist ein Herz und der Name des Pflegers aufgemalt. Jemand hat dem Mann mit Creme noch Dracula-Zähne ins Gesicht gemalt. Eine Antwort auf die Liebeserklärung, fragt der Staatsanwalt. „Ja, das kann sein“, sagt der Pfleger.

Weiterhin als Pfleger tätig

Die Frau bestreitet, den Patienten angemalt zu haben. Ein Kollege habe sie spontan fotografiert. „Ich habe gesehen, dass das nicht witzig ist. Das ist pietätslos“, sagt sie. Die Konsequenzen seien wohl allen nicht bewusst gewesen.
Zwei Bilder und ein Video wurden laut Anklage in einer WhatsApp-Gruppe verbreitet, dem rund 25 Mitarbeiter der Notaufnahme angehörten. „Es war keine Intention, die Leute lächerlich zu machen“, beteuert der angeklagte Gründer der Gruppe. Die Angeklagten arbeiten weiterhin in anderen Häusern als Pfleger. Ihnen drohen Geldstrafen oder eine Haftstrafe bis zu einem Jahr, wie ein Gerichtssprecher sagt.

„Das Gericht muss deutlich machen, dass diese abscheulichen Taten keine Bagatelldelikte sind. Hier ist Abschreckung notwendig“, fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Aber auch die Kliniken und Heime seien in der Verantwortung. Jede Einrichtung müsse ein externes „Whistleblower-System“ für anonyme Hinweise installieren. In Aachen waren die Vorwürfe über einen anonymen Hinweis an das Klinikum gelangt.