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Weltweiter Gesundheitsnotfall?: Militärische Großoffensive gegen Zika-Virus in Brasilien

Experten nehmen an, dass der von bestimmten Mücken übertragene Erreger bei Embryos im Mutterleib möglicherweise zu Schädelfehlbildungen führen kann.

Experten nehmen an, dass der von bestimmten Mücken übertragene Erreger bei Embryos im Mutterleib möglicherweise zu Schädelfehlbildungen führen kann.

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dpa

Genf/Rio de Janeiro -

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will am kommenden Montag entscheiden, ob wegen des gefährlichen Zika-Virus in Lateinamerika ein weltweiter Gesundheitsnotfall ausgerufen werden muss. „Wir sind extrem alarmiert“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. Der Erreger verbreite sich in einigen Gegenden nahezu explosionsartig, betonte sie bei einer Sitzung des WHO-Exekutivrates.

Nach WHO-Angaben gibt es in Brasilien möglicherweise 1,5 Millionen Zika-Fälle. Zugleich warnte die UN-Organisation vor Panik. „Das ist nicht Ebola“, sagte der WHO-Direktor und Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten, Marcos Espinal.

Der Erreger steht im Verdacht, schwere Schädel-Fehlbildungen bei Ungeborenen zu verursachen, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft damit infiziert: Die Babys kommen mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt (Mikrozephalie); geistige Behinderung ist die Folge. Vor der starken Ausbreitung galt das Zika-Virus als eher harmlos - typische Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen. Nicht jeder Infizierte erkrankt.

Das brasilianische Militär will mit einer Großoffensive Stechmücken als Überträger des Virus bekämpfen. Verteidigungsminister Aldo Rebelo betonte am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms: „Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.“ In Brasilien soll in 356 Städten und Gemeinden sowie Tausenden Schulen über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160 000 Soldaten, 30 000 Mitglieder der Marine und 30 000 Militärs der Luftwaffe werden dafür eingesetzt.

Mehr als 4000 Fälle von Missbildungen

Bisher wurden in Brasilien seit vergangenem Jahr schon 4180 Mikrozephalie-Fälle bekannt - 68 Babys starben. Das Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang mit dem zuvor kaum bekannten, ursprünglich aus Afrika stammenden Zika-Virus. Auch in Rio de Janeiro, Austragungsort der Olympischen Spiele im August, hat die Zahl solcher Schädelfehlbildungen deutlich zugenommen.

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff kündigte für nächsten Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur an. Vor dem nächste Woche beginnenden Karneval sollen auch in der Hauptveranstaltungsstätte, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, die Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht.

Auch Nicaragua meldete erste Infektionen. Honduras wies etwa 1000 Ansteckungen nach. Der Erreger ist in über 20 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. Experten befürchten eine Ausbreitung auf den gesamten amerikanischen Kontinent - mit Ausnahme von Alaska und Teilen Chiles.

Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine warnte Schwangere vor Reisen in französische Überseegebiete. Geplante Touren etwa auf die Karibikinsel Martinique oder nach Französisch-Guayana sollten verschoben werden, sagte sie dem Sender France Info.

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien auf. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm. In Deutschland wurde laut Robert Koch-Institut (RKI) beim aktuellen Ausbruch als erstes bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti eine Infektionen diagnostiziert.
Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.