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Kölnische Rundschau | Wo ist Aylin?: Fieberhafte Suche nach 15-Jähriger in Essen
22. January 2016
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Wo ist Aylin?: Fieberhafte Suche nach 15-Jähriger in Essen

Die Polizei sucht mit einem Foto nach der 15-jährigen Aylin Hamm.

Die Polizei sucht mit einem Foto nach der 15-jährigen Aylin Hamm.

Foto:

dpa

Essen -

Eine Jugendliche verschwindet am helllichten Tag in Essen. Besonders rätselhaft: Ihre Mutter trifft quasi gleichzeitig im Keller ihres Einfamilienhauses auf jemanden - vermutlich eine vermummte Frau. Seit Mittwochnachmittag sucht die Polizei fieberhaft nach der 15-Jährigen und nimmt einen Zusammenhang mit der Person im Keller an.

Was genau ist Mittwochnachmittag passiert?

Fest steht, dass die 15-jährige Aylin aus dem Essener Stadtteil Stadtwald am Vormittag ganz normal ihre Schule, das Mariengymnasium in Essen-Werden, besuchte. Zeugen sahen am Nachmittag noch, wie sie mit dem Hund der Familie das Haus verließ. Dann verlor sich ihre Spur.

Wie kam heraus, dass Aylin verschwunden ist?

Gegen 15 Uhr kam ihre Mutter (46) nach Hause und rechnete dort mit Aylin. Stattdessen hörte sie verdächtige Geräusche aus dem Keller. Sie bat einen Nachbarn, der zufällig am Haus vorbeikam, mit ihr nachzusehen. Im Keller trafen die beiden auf jemanden, dessen Gesicht durch Schal oder Kapuze verdeckt war. Ob es ein Mann oder eine Frau war, konnte weder der 58-Jährige noch die Mutter erkennen. Später meldeten sich Zeugen, die eine vermummte Frau am Haus gesehen hatten. Die Polizei geht davon aus, dass sie auch im Keller war.

Bei einem kurzen Handgemenge im Keller war der Nachbar leicht mit einem Messer an der Hand verletzt worden. Die Unbekannte konnte fliehen. Wegen des Einbruchs wurde die Polizei verständigt. Erst im Gespräch über den Einbruch wurde klar, dass Aylin immer noch verschwunden ist. Seitdem fahndet die Polizei mit einem Großaufgebot nach der Jugendlichen. Offensichtliche Einbruchspuren wurden später allerdings nicht entdeckt.

Ist Aylin vielleicht nur abgehauen - etwa, weil es Zuhause Stress gab?

Darüber wurde bislang nichts bekannt. Die Polizei hat aber Aylins Familie, Freunde, Klassenkameraden und Lehrer befragt, ob sie vielleicht etwas wissen.

Geht die Polizei denn schon von einem Verbrechen aus?

Nein. Auch dafür hat sie im Moment keine konkreten Anhaltspunkte. Ermittelt werde nach wie vor in alle Richtungen, betonte die Polizei. Und das sei auch so gemeint, sagte ein Sprecher. Die Sache wird allerdings als „herausragender Vermisstenfall“ eingestuft. Das Besondere ist die Frau im Keller. Die Polizei geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der 15-Jährigen und dieser Frau gibt. „Alles andere wäre ein sehr, sehr, sehr großer Zufall“, sagte ein Polizeisprecher.

Was sagen die Zeugen?

Drei wollen um 15 Uhr herum eine vermummte Frau „im Umfeld“ des Wohnhauses gesehen haben. Die Polizei geht davon aus, dass diese Frau auch im Keller war. Ansonsten gab es mittlerweile um die hundert Hinweise aus der Bevölkerung, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Eine heiße Spur war bislang allerdings nicht dabei.

Und was macht die Polizei?

Sie setzt alles daran, Aylin zu finden und den Fall aufzuklären. „Mit allem, was wir haben, suchen wir nach dem Mädchen“, sagte ein Sprecher. Bereits am Mittwoch durchsuchten Beamte einer Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei angrenzende Waldgebiete. Aus Bielefeld wurde noch am Abend ein sogenannter Mantrailer-Hund, also ein speziell für die Personensuche ausgebildeter Spürhund, mit einem Hubschrauber eingeflogen. Außerdem war ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera seit Mittwoch jeden Tag im Einsatz. Im Polizeipräsidium gibt es täglich mehrere Einsatzbesprechungen, bei denen das weitere Vorgehen abgestimmt wird.

Die Sorge um Aylin ist groß. Wie geht ihre Schule damit um?

Klassenkameraden und andere Mitschüler des katholischen Mariengymnasiums in Essen-Werden können mit einer Psychologin und zwei Seelsorgern sprechen. „Wir haben festgelegt, dass Ruhe das Gebot der Stunde ist. Der Unterricht läuft nach Plan ab“, sagte Schulleiterin Christiane Schmidt. An Aylin wird auch beim Morgengebet gedacht. Die Stimmung an der Schule beschreibt die Leiterin mit den Worten: „Geschockt, aber gefasst.“

Wie oft werden eigentlich Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet?

2014 wurden der Polizei in NRW 16 788 Jungen und Mädchen im Alter unter 18 Jahren als vermisst gemeldet. Die allermeisten Fälle wurden aber aufgeklärt. 262 Fälle blieben in dem Jahr offen. Die meisten Vermissten gab es 2014 in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen: Hier wurden 14 321 Fälle gemeldet.(dpa)