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Bundeskunsthalle: Auf den Spuren der Diva Kleopatra

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Die Beete auf dem Dach der Bundeskunsthalle sind streng axial angelegt. Man war bemüht, Gewächse und Blumen des alten Ägypten zu pflanzen. 
Es soll ein Garten der Sinne, wenn nicht gar ein Garten der Lüste sein, der sich zwischen den drei markanten Türmen auf dem Dach der Bundeskunsthalle breit macht und die „Kleopatra“-Ausstellung begleitet. Von
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Es soll ein Garten der Sinne, wenn nicht gar ein Garten der Lüste sein, der sich zwischen den drei markanten Türmen auf dem Dach der Bundeskunsthalle breit macht und die „Kleopatra“-Ausstellung begleitet. Doch ach, gestern Vormittag, als der „Orientalische Garten“ offiziell vorgestellt wurde, wollten sich keine sinnlichen und „gelüstigen“ Gefühle einstellen. Hatte man gehofft, Liz Taylor alias Kleopatra anzutreffen, wie sie sich – auf Caesar oder Marc Anton wartend – auf einem Diwan räkelnd von einem nubischen Sklaven kühlenden Hauch zufächeln lässt, so wurde man enttäuscht. Liz, pardon Kleopatra, hatte sich bei grauem Himmel und 14 Grad ihren Übergangspelz gegriffen und sich ans Herdfeuer im Palast zurückgezogen.

So ist er, der Frühling im fernen Germanien, weit weg vom Nildelta. Dr. Bernhard Spies, kaufmännischer Direktor der Bundeskunsthalle, entschuldigte den mickrigen Blüten- und Knospenstand der exotischen Pflanzen mit dem Hinweis auf den kalten März und April: „Wir sind vier Wochen im Rückstand“. Doch man muss kein Experte auf dem Gebiet der Botanik sein, um den Reichtum an exotischen Bäumen, Pflanzen und Gewürzen auch bei verzögertem Blütenstand zu erkennen.

Der „Orientalische Garten“ ist eng an den einstigen Palastgarten der letzten ägyptischen Königin angelehnt, sofern man sich auf authentische Quellen stützen kann. Wo nicht, hilft der Hinweis, dass viele Nutz- und Zierpflanzen, die im alten Ägypten Verwendung fanden, Importe aus dem Mittelmeerraum oder Zweistromland waren. Die Planung des „Orientalischen Garten“ lag in den Händen von Friedrich Meiberth, der bereits vor zwei Jahren den schönen Garten des „Malerfürsten“ Max Liebermann in dessen Berliner Villa am Wannsee nachgestaltet hatte. Der Gartenkomplex lebt vor allem von der starken Verbindung von Architektur und Natur im alten Ägypten mit der typischen axialen Ausrichtung und rechten Winkeln. So erlebt der Besucher linear ausgerichtete Beete mit typischen Pflanzen des Pharaonenreichs wie Roter Mohn, blaue Kornblumen, grüne Kamille oder weiße Margeriten – Farben, die am Nil dominant waren.

Flankiert werden die Beete von Palmen (hauptsächlich Hanfpalme), Tamerisken, (echtem) Lorbeer oder Granatäpfeln, deren lateinischer Gattungsname Punica granatum an ein beliebtes Fruchtgetränk erinnert. Die Beete werden durch „Mini-Teiche“ ergänzt, in denen der im alten Ägypten besonders verehrte blaue und weiße Lotus schwimmt, ergänzt von See- und Teichrosen. Der letzte Gartenraum ist mit „Tribut an Kleopatra“ eine Huldigung von Pflanzenzüchtern an die ägyptische Königin mit einer kleinen Auswahl eines vielfältigen „Kleopatra“-Pflanzensortiments wie Scheinsonnenhut, Pracht-Salbei, Eisenkraut, Kleopatra-Mandarine oder Steppenkerze.

Der „Orientalische Garten“ 

auf dem Dach der Bundeskunsthalle wird von markanten Palmen flankiert, die schon im alten Ägypten genutzt wurden. (Fotos: Meike Böschemeyer)
Der „Orientalische Garten“ auf dem Dach der Bundeskunsthalle wird von markanten Palmen flankiert, die schon im alten Ägypten genutzt wurden. (Fotos: Meike Böschemeyer)

Der „Orientalische Garten“ wird durch drei Zelte erweitert, in denen sich der Besucher orientalische Märchen anhören kann oder an exotischen Ölen, Gewürzen und Parfüm-Essenzen schnuppern darf. Wer noch nicht genug geschnuppert hat, dem seien die Duft-Säulen empfohlen, denen intensiver Orangen- oder Lorbeerduft entweicht. Dermaßen von den Düften des Orients zugedröhnt, meint man bei geschlossenen Augen Kleopatra auf dem Diwan zu erkennen. Oder ist es doch nur eine Halluzination . . .?

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