Ein Raub der Flammen wurde in der Nacht zum gestrigen Mittwoch eines der Häuser in der Flüchtlingsunterkunft in der Elisabethhütte. Um 0.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Bereits auf der Anfahrt sahen sie, dass das hintere der insgesamt acht Häuser auf dem Areal lichterloh brannte. Alle sechs Bewohner hatten das Haus rechtzeitig verlassen können. Auch die Bewohner der umliegenden Häuser verließen sicherheitshalber die Unterkünfte.
Die Polizei eilte mit drei Streifenwagen-Besatzungen und einem Hundeführer nach Mechernich. Die Beamten mussten einen 51 Jahre alten Mann aus Bosnien-Herzegowina daran hindern, ins brennende Haus zu laufen. Er wurde vom Notarzt untersucht und im Laufe der Nacht in die Psychiatrie eingewiesen. Wie Polizei-Sprecher Lothar Willems gestern bestätigte, wollte der Mann sich offenbar das Leben nehmen. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann den Brand in der Unterkunft gelegt hat. Er habe seine Mitbewohner geweckt und gewarnt, so dass sie sich vor den Flammen in Sicherheit bringen konnten. Als der Mann ins Haus habe zurückgehen wollen, sei es ihnen gelungen, ihn davon abzuhalten.
50 Feuerwehrleute im Einsatz
In der Nacht zu gestern eilten 50 Feuerwehrleute aus Mechernich, Strempt und Kommern zur Elisabethhütte. Auch der Atemschutz-Container wurde zur Einsatzstelle beordert. Jedoch konnten die Helfer um Mechernichs Feuerwehr-Chef Jens Schreiber kaum etwas ausrichten, da die in Trockenbauweise errichtete Haushälfte in voller Ausdehnung brannte.
Das Löschwasser schafften die Wehrleute im Pendelverkehr vom nahe gelegenen Krematorium zur Einsatzstelle, da in der Nähe kein Hydrant aufzufinden war. Von außen bekämpften sie die Flammen. Mit Äxten, Sägen und Einreißhaken öffneten sie an verschiedenen Stellen die Fassade. In der zur Dämmung der dünnen, doppelwandigen Bauweise verwendeten Glaswolle bildete sich Glut, die auch mit Hilfe von Wärmebildkameras aufgespürt und gelöscht wurde.
Als die Wehrleute das Haus betreten konnten, schafften sie einige Gegenstände und Schränke aus den Räumen, in denen die Flammen gewütet hatten, ins Freie, um diese draußen abzulöschen. Bis etwa 4.30 Uhr war die Feuerwehr im Einsatz. Am Morgen rückten laut Schreiber noch einmal einige Wehrleute aus, um letzte Glutnester mit Schaum abzulöschen.
Jenen Bewohnern, die beim nächtlichen Brand ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, hat die Stadt, deren Beigeordneter Thomas Hambach sich in der Nacht vor Ort ein Bild von der Lage machte, bereits kurzfristig geholfen. Wohnen können sie in den aktuell nicht belegten Zimmern der Unterkünfte. Dank des Kleiderladens, den der Kinderschutzbund in Mechernich betreibt, konnten sie, wie Holger Schmitz, Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt, gestern erklärte, auch kurzfristig mit Kleidern versorgt werden.
Auch wenn es der Feuerwehr gelang, die hintere Hälfte des Doppelhauses vor den Flammen zu bewahren, ist diese nicht bewohnbar. Gestern ging Schmitz davon aus, dass das Haus so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es wohl abgerissen werden muss. Die Stadt sei in diesem Fall bestrebt, die Unterkunft wieder aufzubauen, da man nicht wissen könne, wie viele Flüchtlinge künftig eine Unterkunft in der Stadt benötigten.




