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Kritik wird laut: Notdienstpraxis in Schleiden dicht

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Die Notdienstpraxis neben dem Schleidener  St.-Antonius-Krankenhaus ist Ende  Januar geschlossen worden, die Räume sind verwaist. Das Informationsschild hilft nur bedingt. Viele Patienten suchen das benachbarte Krankenhaus auf. Foto: Hilgers
Verletzungen haben es so an sich, dass sie nie gelegen kommen. Wenn Kinder sich beim Spielen wehtun, ist das zu keinem Zeitpunkt angenehm. Gleiches gilt für Grippe, Sportunfälle oder ähnlich plötzlich auftretende Beeinträchtigungen. Von
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Verletzungen haben es so an sich, dass sie nie gelegen kommen. Wenn Kinder sich beim Spielen wehtun, ist das zu keinem Zeitpunkt angenehm. Gleiches gilt für Grippe, Sportunfälle oder ähnlich plötzlich auftretende Beeinträchtigungen. Schon während der Öffnungszeiten der Hausarztpraxis mögen sie so recht keine Freude entfalten. Doch zu Zeiten, zu denen die Praxis des Hausarztes geschlossen ist, sind diese oft ohnehin schon mit Schmerzen verbundenen Unannehmlichkeiten noch eine Spur störender. Gut, dass es die Notdienstpraxen gibt.

Im Kreis Euskirchen allerdings müssen die Menschen nun mit einer Anlaufstelle weniger auskommen: Die Notdienstpraxis am St.-Antonius-Krankenhaus in Schleiden ist Geschichte. Sie habe aus „organisatorischen Gründen seit dem 1.2.2013 geschlossen“ werden müssen, teilten die Kreisstellen der Ärztekammer Nordrhein und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit. „Wir bitten die Patienten , sich ab sofort an die Notdienstpraxis Mechernich zu wenden“, heißt es weiter. Neben der Notfallpraxis in Mechernich gibt es im Kreis noch eine weitere am Euskirchener Marien-Hospital.

Patienten weichen aufs Krankenhaus aus

Wie schmerzhaft ist dieser Einschnitt für die Patienten? Nicht allzu sehr, erklärt Dr. Manfred Wolter, Vorsitzender der Ärztekammer-Kreisstelle Euskirchen. Zwar müssten nun einige betroffene Bürger – wenn auch wenige – einen etwas weiteren Weg nach Mechernich in die dortige Notdienstpraxis im Kreiskrankenhaus auf sich nehmen, dennoch seien die negativen Folgen durch die Schließung in Schleiden gering. „Die Notfallpraxis am St.-Antonius-Krankenhaus wurde ohnehin nur noch selten von Patienten aufgesucht“, sagt Dr. Wolter. Die meisten Patienten machten sich der besseren Anbindung über die A 1 wegen direkt auf den Weg nach Mechernich. Den Ärztevereinigungen sei auch nicht um wirtschaftliche Verbesserungen gegangen. Vielmehr sollte durch die Neustrukturierung mehr Gerechtigkeit bei den Notdiensten geschaffen werden. Da es im Südkreis weitaus weniger Mediziner gebe als im Norden des Kreises, hätten die Ärzte im Süden zwei- bis dreimal so viele Notdienste absolvieren müssen als die Kollegen.

Und das könnte mittel- bis langfristig Folgen auf die ärztliche Versorgung in der Eifel haben, gibt Dr. Wolter zu bedenken. Wenn ein älterer Mediziner sich nämlich zur Ruhe setzen wolle, sei es weitaus schwerer, die Praxis einem jüngeren Kollegen anzudienen, wenn dieser zur Kenntnis nehmen müsse, dass er viele Notfalldienste im Kalender haben wird. Den medizinischen Nachwuchs zöge es eher in Regionen, in denen sich spürbar mehr niedergelassene Ärzte die Notdienste teilten, so Wolter. „Das ist ein erheblicher Standortnachteil.“

Denn ein Dienst in der Notfallpraxis dauert in der Regel von 7.30 bis 22 Uhr – attraktive Arbeitszeiten sehen anders aus (siehe Infokasten). Durch die Schließung der Notfallpraxis in Schleiden sei dieses Ungleichgewicht zwischen Süd- und Nordkreis zwar nicht vollständig aufgehoben, aber immerhin spürbar verringert worden, erklärt Dr. Wolter.

Und die Patienten? Müssen sie nun längere Wartezeiten einplanen? Wolter befürchtet das nicht. „Wir haben die Patienten aus Bad Münstereifel gebeten, künftig nach Euskirchen zu fahren“, so Wolter. Dann dürfte aber der Andrang in Euskirchen größer werden. Vielleicht etwas, so Wolter: Aber in der Notdienstpraxis müssten die Patienten in der Regel nicht länger warten als beim Hausarzt, wenn vorher keine Terminabsprache stattgefunden habe, so Wolter.

Unterdessen berichtet Theo Korth, kaufmännischer Direktor des St.-Antonius-Krankenhauses in Schleiden, dass Notfallpatienten das Schild, mit dem die KV auf die vollzogene Schließung der Notdienstpraxis hinweist, zwar zur Kenntnis nähmen, aber dann das Krankenhaus aufsuchten. Die Ärzte der Klinik dürften jedoch keine Rezepte ausstellen und keine Krankschreibung durchführen. Ihnen sei es auch nur erlaubt, den Patienten Medikamente in kleinen Mengen mitzugeben. Korth empfiehlt den Patienten, danach den Hausarzt aufzusuchen.

Die Geschäftsführung des Krankenhauses arbeite derzeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung an einer Ausnahmegenehmigung, wonach die Ärzte im Schleidener Krankenhaus für diese Notfälle Medikamente verordnen und Krankschreibungen vornehmen dürfen.

Da die Schließung der Notdienstpraxis in Schleiden für die Bürger unzumutbar und der Weg nach Mechernich mit über 40 Kilometern viel zu weit sei, so Theo Korth, hoffe er, dass die Kassenärztliche Vereinigung diesem Notfallprinzip zustimmen werde.

Auch in der Politik regt sich erster Protest gegen das Vorgehen. „Die CDU Hellenthal bittet die Kassenärztliche Vereinigung inständig, die Schließung der Notdienstpraxis zurückzunehmen“, erklärte gestern deren Vizevorsitzender Frank Weimbs. Viele Patienten habe diese Entscheidung unvorbereitet getroffen. „Wir kritisieren daher auch die Informationspolitik der KV“, so Weimbs weiter.

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