Leer und verlassen ist das letzte Haus in der Reihe der Flüchtlingsunterkünfte in der Mechernicher Elisabethhütte. Die Spuren des Brandes der vergangenen Woche sind noch deutlich zu sehen. In der Nacht zum gestrigen Donnerstag schreckten die gut 50 Menschen verschiedenster Nationalitäten, die in der Elisabethhütte leben, wieder aus dem Schlaf. Wieder war ein Feuer in einem der Häuser ausgebrochen.
In der sternenklaren, kalten Nacht bildete sich gegen 2 Uhr über der Elisabethhütte eine enorme Rauchsäule. Der Rauch war so dicht, dass auf der nahe gelegenen Bundesstraße zwischen Roggendorf und dem Mühlenpark-Kreisel zeitweise kaum die Hand vor Augen zu sehen war.
Rund 40 Feuerwehrleute unter der Leitung von Uwe Näger eilten zur Einsatzstelle. Es war besondere Eile geboten: In der ersten Meldung hatte es geheißen, es sei noch eine Person im Haus. Zwei Atemschutz-Trupps suchten das Haus, in dem drei Bewohner gemeldet waren, ab.
Bewohner retteten sich ins Freie
Glücklicherweise war niemand mehr im Haus, die Bewohner hatten sich rechtzeitig ins Freie retten können. Ein Mann wurde allerdings mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Ein zweiter, nach Angaben von Polizei-Sprecher Norbert Hardt stark alkoholisierter Mann, wurde später ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.
Neben den Feuerwehrleuten aus Mechernich, Kommern und Strempt waren auch der Atemschutzcontainer aus dem Schleidener Brandschutzzentrum, die Besatzung eines Rettungswagens und ein Notarzt sowie zahlreiche Polizisten zur Einsatzstelle beordert worden. Mechernichs Beigeordneter Thomas Hambach machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Zudem kamen Mitarbeiter des Mechernicher Bauhofs zur Elisabethhütte. Sie und einige Feuerwehrleute kümmerten sich um das Glatteis, das sich angesichts der frostigen Temperaturen an der Einsatzstelle schnell bildete.
Die Wehrleute bekämpften den Brand nicht nur mit Wasser aus „normalen“ Strahlrohren, sondern auch mit Hilfe sogenannter Fog-Nails. Einsatzleiter Näger erklärte, dass es sich dabei um eine Art Stahlnagel handelt, der durch eine Tür oder eine Wand getrieben wird. Auf der anderen Seite können die Wehrleute dadurch gefahrlos löschen. Diese Art „Infusion“ nutzten die Feuerwehrleute in der Nacht, um in den Zwischenraum der dünnen Hauswände zu gelangen und dort die glimmende Glaswolle-Dämmung zu löschen.
Zudem schlugen die Einsatzkräfte auf beiden Seiten des Hauses Löcher ins Dach, um auch von oben gegen den Brand vorgehen zu können. Gegen 5.30 Uhr war der Einsatz laut Näger für die Feuerwehr endgültig beendet.
Nur wenige Stunden vor dem Brand des Hauses, gegen 22.45 Uhr, waren die Wehrleute aus Mechernich bereits in der Elisabethhütte gewesen. Sie hatten ein Feuer in einem Abfall-Container gelöscht. Ob zwischen den beiden Bränden ein Zusammenhang besteht, ist nicht klar.
Unklar ist auch die Ursache des Feuers in der Unterkunft. Während in der vergangenen Woche ein 51 Jahre alter Mann aus Bosnien-Herzegowina in die Psychiatrie eingewiesen wurde und im Verdacht steht, den Brand gelegt zu haben, weil er sich das Leben nehmen wollte, konnte die Polizei gestern noch nichts zur Ursache des jüngsten Brandes sagen. Die ersten Ermittlungen haben laut Polizei-Sprecher Norbert Hardt ergeben, dass sich das Feuer vom Küchenbereich aus entwickelt hat. Ob ein technischer Defekt vorliegt, eine Unachtsamkeit oder doch Brandstiftung, müssten nun die weiteren Ermittlungen zeigen. Laut Hardt gibt es bislang keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund.
Nach diesem Brand ist nun das zweite der insgesamt acht Doppelhäuser in der Elisabethhütte unbewohnbar. Die Polizei schätzte den entstandenen Sachschaden gestern auf etwa 100000 Euro. Ob die Unterkunft nun abgerissen werden muss, entscheidet die Stadt Mechernich.




