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Familie „Brunselli“: Weihnachten im Zirkuswagen

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Weihnachten am Kamin im Zirkuswagen: Die Familie „Brunselli“ gibt in Kommern an Heiligabend sogar noch eine Vorstellung.  
Es müssen noch Geschenke gekauft und eingepackt werden, der Weihnachtsbaum steht noch nicht und so ganz nebenbei muss die neunköpfige Familie an Heiligabend noch eine Zirkusvorstellung geben.  Von
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Kommern

Von einer besinnlichen Weihnacht ist die Zirkusfamilie „Brunselli“ noch weit entfernt. Und das liegt nicht an den sieben Kindern, die René Brunsen und Manuela Kaselowsky ständig über die Füße laufen. Auch die weihnachtliche Dekoration der Wohnwagen, die seit ein paar Tagen in der Nähe des Kommerner Sportplatzes stehen, ändert nicht viel an der Hektik, die die Familienoberhäupter derzeit plagt. Warm ums Herz wird dem 41-Jährigen und der 37-Jährigen im Moment nur vor dem offenen Kamin im Wohnwagen.

Es müssen noch Geschenke gekauft und eingepackt werden, der Weihnachtsbaum steht noch nicht und so ganz nebenbei muss die neunköpfige Familie an Heiligabend noch eine Zirkusvorstellung geben. Um 14 Uhr wird es am Montag heißen: Vorhang auf und Manege frei.

Der Familienwohnwagen und die Absperrung sind weihnachtlich geschmückt.
Der Familienwohnwagen und die Absperrung sind weihnachtlich geschmückt.

Während Zirkusdirektor René auch als Tontechniker, Ansager, Handakrobat und Feuerschlucker in der Manege steht, wird die 37-Jährige im Familienwohnwagen am Herd stehen und das Weihnachtsessen vorbereiten. Und wenn die Schweinemedaillons, Klöße und der Rotkohl vor sich hin köcheln, will sie den Weihnachtsbaum schmücken. „Der wird anschließend hinter einem Vorhang versteckt. Erst wenn alle am Tisch sitzen und der Weihnachtsmann da war, wird er zur Bescherung enthüllt“, so Kaselowsky.

Für die Frau, die noch nie irgendwo anders als in einem Zirkuswagen Weihnachten gefeiert hat, ist es der familiäre Höhepunkt des Jahres. Und das, obwohl sie jetzt schon ein bisschen Wehmut hat.

Madelaine übt für die Vorstellungen.
Madelaine übt für die Vorstellungen.
Foto: Steinicke

„Bisher haben wir Weihnachten immer mit der ganzen Familie gefeiert“, sagt sie. Weil die „Brunsellis“ erstmals alleine einen Weihnachtszirkus vorführen und nicht mit dem Rest der Zirkus-Verwandtschaft im Winterquartier weilen, wird es wohl diesmal im Wohnwagen etwas ruhiger werden. Zumindest dann, wenn das Christkind nicht die Wünsche von Miguel und Jeffrey erfüllt. Die 11- und 14-jährigen Jungs haben sich Motorräder gewünscht.

Die Wunsch-Liste der Mutter ist lang – und gar nicht unbescheiden. „Ich war noch nie im Urlaub. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Aber wenn, dann möchte ich auf die Malediven. Gesundheit ist natürlich immer gern genommen. Für dieses Jahr wünsche ich mir ein volles Zirkuszelt“, so Kaselowsky. Und wenn es nach ihr geht, wird es ruhig und besinnlich zugehen: „Meine Kinder verdrehen zwar die Augen, aber zur Bescherung läuft die Musik von Heintje, Heino und Peter Alexander.“

Zirkus-Schule

In der neunköpfigen Zirkusfamilie „Brunselli“ ist alles etwas anders. Daher gehen die Kinder auch nicht in die „normale“ Schule, sondern die „Schule für Circuskinder“ kommt zu ihnen. Da dieses Angebot   nur in NRW gilt, gastiert der Zirkus vornehmlich   in NRW.

Zwei- bis dreimal pro Woche werden die schulpflichtigen Kinder der Familie in einem extra gekauften Wohnwagen unterrichtet – inklusive Hausaufgaben und „Klassenarbeiten“. Der älteste Sohn, Anthony, machte dort im vergangenen Schuljahr den Realschulabschluss. (tom)

Vorstellungen wird die Familie bis zum 30. Dezember in Kommern geben. Abreisen wird sie dann aber noch nicht. Nach dem Weihnachtsfest wird die Zirkusfamilie auch den Jahreswechsel in Kommern verbringen. „Bis zum 15. Januar werden wir hier Ferien machen und dann geht es weiter zum nächsten Spielort“, erklärt René Brunsen. Für ihn sei das Zirkusleben eine Lebensaufgabe, obwohl er den Beruf des Krankenpflegers gelernt habe und damit auch geregelte Arbeitszeiten kenne. „Ich habe es mir ja so ausgesucht“, so der 41-Jährige. Und dazu gehört auch Weihnachten im Zirkuswagen.

Auch der siebenfache Familienvater hat einen Weihnachtswunsch: ein ausverkauftes Zirkuszelt. Bis zu 400 Zuschauer passen in das beheizte Zelt, das weihnachtlich geschmückt ist. Ganz so viele müssen es aber gar nicht werden. „Bei 50 Besuchern machen wir keinen Verlust“, so René Brunsen. Auf einem Zettel, auf den mit Bleistift ein Schneemann gemalt ist, stehen schon Reservierungen für die Heiligabend-Vorstellung. Vielleicht geht sein Weihnachtswunsch ja in Erfüllung.

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