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Rheinoper Düsseldorf: Im verhassten Dorf festgenagelt

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An der Düsseldorfer Rheinoper soll alles etwas anders werden: Mit Brittens „Peter Grimes“ reizte der neue GMD Axel Kober sein Orchester bis zum Machbaren und verlangte vom „Protagonisten-Gegner“ Opernchor gleich Höchstleistung. Von
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DÜSSELDORF - Auch an der Deutschen Oper am Rhein segelt das Flaggschiff Musiktheater unter neuem Kommando. Alles soll etwas anders werden, und die Intendanz und der neue GMD nutzten reichlich Wasser, um den abgelaufenen Planken neuen Glanz zu entlocken: Mit Brittens „Peter Grimes“ reizte der GMD Axel Kober sein Düsseldorfer Orchester bis zum Machbaren und verlangte vom „Protagonisten-Gegner“ Opernchor gleich Höchstleistung.

Intendant Christoph Meyer konnte mit der Wahl des Regisseurs Immo Karaman zufrieden sein: Die Inszenierung entwarf schlüssig das Psychogramm eines englischen Fischerdorfes in düster verhangenem Küstennebel, das konsequent Farbe nur aus den Stimmen und dem sprühend funkelnden Orchestergraben bezog. Das Premierenpublikum zeigte sich im Schlussapplaus von der spritzenden Seelengischt bewegt. Dass Benjamin Britten, aufgewachsen in einem kleinen Küstenort in der ostenglischen Grafschaft Suffolk, der Stoff von einem Seemann, der in einer Dorfgemeinschaft zu einem Ausgestoßenen wird, faszinierte, lag an seiner eigenen Persönlichkeit. Das dörfliche Idyll am Meer hat er geliebt und bestimmt auch gehasst. Britten bekannte sich zum Pazifismus und machte keinen Hehl aus seiner Homosexualität - damit wählte er in der damaligen Gesellschaft einen schweren Stand. Indem Karaman die Welt in seinem Bühnenbild (Kaspar Zwimpfer) in einen angefressenen Schiffsrumpf aus zusammengezimmerten Planken, Bohlen, Türen und Fenstern sperrt, verstärkt er die Ausweglosigkeit der Situation und die drängende Dichte der Gemeinschaft - und verzichtet auf den Kontrast der Weite des Meeres. Grimes, der denunzierte Verdächtige, kann nicht ausweichen. Er klebt im Dorf, das ihn hasst.

Die sängerische Macht des hervorragenden Chors (Einstudierung: Gerhard Michalski) und die szenische Führung von Chor und Statisterie (Fabian Posca) wirken stets bedrohlich: Die Masse marschiert in Reihen, oder sie ballt sich gar zur Kugel. Zum Neubeginn wählte Meyer eine Erstaufführung. Brittens Musik liegt weniger den Operettenfreunden, aber alle Operngänger, die gerne Natur und Seele in Tönen aufgefächert erleben wollen, dürfen „Peter Grimes“ nicht verpassen.

Britten hat diese Rolle für seinen Partner Peter Pears geschrieben. So ist es gerechtfertigt, den lyrischen Startenor Roberto Saccà zu besetzen, der besonders das Wanken dieser schwachen Seele gut spielt. Gun-Brit Barkmin singt die verliebte Lehrerin, die Protagonisten der Dorfgemeinschaft verkörpern Tomasz Konieczny, Jane Henschel, Florian Simson oder Sami Luttinen. Der Chor ließ es richtig krachen, das Orchester warf sich bei erträglichen Verlusten mutig in die Brandung. „Peter Grimes“ in Düsseldorf machte Lust auf mehr - mehr geht nicht.

3 ¼ Stundenmit Pause, Aufführungen: 27.9. und 3. / 9. / 11. / 17.10.

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