
MAINZ/NÜRBURG - Nach dem Aus für den Achterbahn-Start zur Formel 1 am Nürburgring hat die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) das Konzept kritisiert. "Der "Ringracer" macht symbolisch das Dilemma des Konzeptes Nürburgring deutlich: konzeptionell fragwürdig, überdimensioniert, überteuert beauftragt, technisch nicht funktionsfähig und trotzdem bezahlt", sagte die Ministerin am Freitag im Gespräch der Nachrichtenagentur dpa in Mainz.
Der Kreis Ahrweiler hatte dem "Ringracer" am Donnerstag wegen fehlender Sicherheitsnachweise den Betrieb untersagt - trotz fast zweijähriger Testphase. Der private Ring-Betreiber wollte die Bahn von diesem Freitag an rollen lassen. Trotz des kurzfristigen Stopps hält dieser aber auch weiter an seinen Plänen fest. Der Antrag auf Genehmigung bei der Kreisverwaltung laufe weiter. Die fehlende Endabnahme des TÜV werde nachgereicht, sobald sie vorliege.
Das Konzept mit nur einer Achterbahn könne in Konkurrenz zu großen Familienfreizeitparks nicht bestehen, betonte Lemke. Die besondere Nische schließe aber durchaus eine touristische Lücke. Alle Beteiligten müssten nun ihre Hausaufgaben machen, damit die Bahn sicher und die Investition nicht umsonst sei. Sie sagte aber zugleich: "Sind die technischen Anforderungen nicht zu erfüllen, dann kommt der Nürburgring sicherlich auch ohne Achterbahn aus."
Zukunft hängt von Bernie Ecclestone ab
Diesen Anblick will Sebastian Vettel am Nürburgring möglichst vermeiden. Fernando Alonsos Ferrari von hinten. (Bild: dpa)
Die Zukunft der hochdefizitären Formel 1 am Ring hängt von Verhandlungen mit Chefvermarkter Bernie Ecclestone ab. Die rot-grüne Landesregierung will ihre millionenschweren Subventionen verringern. Direkt vor dem Start des Formel-1-Rennens an diesem Sonntag (24. Juli) wollen Demonstranten gegen den Nürburgring-Betreiber auf die Straße gehen.
Die Vereinigung "Save the Ring" (Rettet den Ring) wendet sich gegen "Missmanagement" der Nürburgring Automotive GmbH und fordert, die Rennstrecke vom Freizeitpark zu trennen. "Es kann nicht sein, dass der Motorsport am Ring immer weiter marginalisiert wird und jetzt sogar die Formel 1 auf dem Spiel steht", sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Rettet den Nürburgring", Norbert Hanhart, in Nürburg (Kreis Ahrweiler).
Zum Großen Preis von Deutschland gehen die Ring-Betreiber von 65 000 verkauften Tickets aus, sagte eine Sprecherin. Ein Verkehrschaos werde trotz der Demo nicht erwartet. Die Polizei am Nürburgring rechnete mit bis zu 130 Teilnehmern.
Die frühere SPD-Landesregierung hatte am Ring einen Freizeitpark für 330 Millionen Euro bauen lassen, um Formel-1-Verluste auszugleichen. Die Privatfinanzierung war 2009 gescheitert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Seit Mai 2010 wird die weitgehend landeseigene Rennstrecke samt Park und anderer Attraktionen von der Nürburgring Automotive GmbH betrieben.
(dpa)