Von JOCHEN F. ROHLINGER, 05.01.06, 07:19h
Geahnt hat man das in Politik und Verwaltung, die Hardtbergbahn wird schon länger totgeschwiegen". Aber der Landtagsabgeordnete und CDU-Verkehrsexperte Lorth liest aus den ersten IGVP-Daten eine sehr dürftige Nutzenbewertung und angesichts reichlich hochwirtschaftlicher" anderer Projekte (etwa die S-Bahn S13 bis Bonn und der Ausbau des Voreifelexpresses) für bis zu zehn Jahre keine Chance für die Straßenbahn zum Bonner Westen.
Auf Jahre nicht finanzierbar" ist auch die Einschätzung von Rolf Beu, der zugleich Vorsitzender des Planungsausschusses im Bonner Stadtrat ist. Für ihn hat das jetzt sinnvolle Begräbnis zwei Gründe: Abgeschlossene Baupläne haben nach der aktuellen Gesetzeslage nur noch fünf Jahre Bindungskraft, danach verfallen sie und müssen neu erarbeitet werden. Für Beu ist die in Arbeit befindliche Planfeststellung für den ersten Hardtbergbahn-Abschnitt bis zur Endenich / Duisdorfer Ortsgrenze (Provinzialstraße) nicht mehr sinnvoll, weil der Plan nicht in der Bindungsfrist umgesetzt werden kann.
Der Endenicher Beu und seine politischen Freunde gehen außerdem davon aus, dass eine neu aufgenommene Hardtbergbahn-Planung in einigen Jahren keinen Tunnelabschnitt unter Poppelsdorfer Allee und Weststadt mehr vorsehen dürfte, sondern eine durchweg oberirdische Straßenbahn.
Zweifel am Grundsatz eines besonders leistungsfähigen Schienennahverkehrsmittels durch die dicht besiedelten westlichen Stadtteile, am Bundesministerienstandort Duisdorf vorbei zu Brüser Berg und Hardtberg (Basketshalle) haben weder Beu noch Lorth; auf lange Sicht sei sie unverzichtbar, sagen sie. Der CDU-Mann ist aber mit mehr als einem Vierteljahrhundert Erfahrung als Bezirksvorsteher auch ein Mann der politischen Strategie: Seine Forderung, die Planfeststellung für den ersten Hardtbergbahn-Abschnitt abzuschließen, hat ausnahmsweise weniger das alte Lorth-Dogma (Wer einen genehmigten Plan hat, baut auch als erster") zur Basis, sondern das aktuelle Thema Hauptbahnhofsvorplatz. Dort, so der Duisdorfer voller Überzeugung, kann und wird es keine gescheite Lösung geben mit Straßenbahngleisen vor dem historischen Bahnhofbau. Die noch immer in Bonn von vielen Seiten angefeindete Tieflage" der Straßenbahnen (Linie 61, 62 an gemeinsamen Bahnsteigen mit den U-Bahnlinien 16, 18, 63) erst mache den Raum für einen überzeugenden Bahnhofsvorplatz frei, denken immer mehr politische Planer wie Lorth. Und mit einer planfestgestellten Tieflage, die auch Bestandteil der Hardtbergbahn-Planung ist, würde der Straßenbahntunnel zum kleineren Projekt" und wäre damit kein dauerhaftes Hindernis für die heiß ersehnte Bahnhofsvorplatz-Gestaltung.
Fazit: Die Hardtbergbahn liegt also als Projekt gewiss für viele Jahre auf Eis, aber wie sie sinnvoll begraben" wird, daran scheiden sich die politischen Geister in Bonn noch.
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