Von NORBERT WALLET, 06.01.06, 20:14h
Die neue Anhänglichkeit kam deshalb so überraschend, weil die Sache eigentlich längst ausdiskutiert war. Nach einer Debatte, welche die Stadt seit der Wiedervereinigung mit Heftigkeit geführt hatte, entschied der Bundestag vor zwei Jahren, den Palast abzureißen. Und doch entpuppte sich das Ende der Debatte nur als vorläufig. Grund dafür war das Zugeständnis, das für den Palast bis zum Zeitpunkt des Abrisses eine Zwischennutzung erlaubt wurde. Diese Interimslösung für das nach einer ungemein aufwändigen Asbestsanierung nur noch als Gerippe aus Beton, Stahl und Glas vorhandene Gebäude, entwickelte sich zur Überraschung aller Beteiligten zu einem absoluten Renner. Der abgetakelte Palastrest mit seinen weiten Räumen, Durchblicken und riesigen Flächen wurde zu einem Publikumsmagneten, zu einer der angesagtesten „locations“ der Hauptstadt. Ausstellungen und Opern fanden hier statt, für eine Tour durch den entschlackten Baukörper standen Touristen Schlange. Vom Frühjahr 2004 bis Ende 2005 kamen weit über eine halbe Million Besucher zu den Veranstaltungen.
Das ist nun alles vorbei. Noch einmal wird sich der Bundestag am 13. Januar mit dem Thema befassen, doch die Bestätigung der längst gefassten Beschlüsse steht fest: Die Tage des Palastes sind gezählt. Der Abriss soll bis Ostern 2007 beendet sein. Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeiten reibungslos liefen, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern. Ab der dritten Kalenderwoche soll die Baustelle eingerichtet werden. Die Kosten werden mit 12 Millionen Euro - bislang waren 20 Millionen Euro geplant - angegeben, von denen Berlin 36 Prozent bezahle. Dann versinken allein 20 000 Tonnen Stahlgerüste, 500 Tonnen Glas und 56 000 Tonnen Beton des „Palazzo Prozzo“, so der Spott der DDR-Bürger, in den Feueröfen. Das Schicksal von „Erichs Lampenladen“ ist damit endgültig besiegelt.
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22. April 2012,
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