Erstellt 30.01.06, 21:40h
Die Zöllner hatten eine bläuliche Färbung des Fleisches bemerkt. Außerdem fielen ihnen Stempel auf der Verpackung auf, auf denen die Jahreszahlen 1984 und 1986 zu lesen waren. Vom bulgarischen Importeur wurde jetzt eine tierärztliche Bescheinigung angefordert, damit das Alter des Fleisches genau bestimmt werden kann, teilte des Nationale Veterinär-Medizinische Amt in Sofia mit. Die Gammelfleisch-Lieferung war für die zweitgrößte Stadt des Landes, Plowdiw, bestimmt. Wo das Fleisch seit seiner Produktion lagerte, war unklar.
Unterdessen gerät der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) im Skandal um verdorbenes Wildfleisch der Passauer Berger-Wild GmbH immer stärker unter Druck. Die Landtags-Grünen erklärten gestern in München, dass Schnappauf zurücktreten müsse, wenn im Ministerium ähnliche Fehler wie beim BSE-Skandal vor fünf Jahren geschehen seien.
Die FDP forderte Aufklärung darüber, warum zahlreiche Behörden über den neuen Fleischskandal informiert waren, aber das Verbraucherministerium konkret nichts unternommen habe. Im Fall Berger war es offensichtlich bei der Abstimmung zwischen den Ermittlungs- und den Verbraucherschutzbehörden zu Pannen gekommen. Wie ein internes Schreiben vom Juli 2005 belegt, gingen die Fahnder spätestens damals davon aus, dass eine Gesundheitsgefährdung von Verbrauchern eventuell besteht. In dem Brief hieß es auch, dass bei Berger sogar Rattenfleisch verarbeitet wurde.
In Nordrhein-Westfalen ist unterdessen zum Teil verdorbenes Berger-Wildfleisch aufgetaucht, das bislang nicht auf der Liste der zurückgerufenen Waren steht. Wie der Kreis Soest mitteilte, habe sich eine von einer Kundin beim Kreis abgegebene Rehkeule mit Haltbarkeitsdatum bis zum November 2007 bereits „in beginnender Verderbnis“ befunden. Die Keule gehöre nicht zu den bisher beanstandeten Chargen. In Bonn beschlagnahmten die Behörden etwa 100 Kilo Berger-Wildfleisch bei einem Großhändler. Ob es sich dabei um verdorbene Ware handelt, wird noch geprüft.
In Bayern wurden gestern in einem Kühlhaus von Berger weitere 220 Fleischproben genommen. Es soll überprüft werden, ob die 1100 Tonnen Lebensmittel eventuell verdorben sind. (dpa)
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