Erstellt 27.01.06, 17:45h, aktualisiert 27.01.06, 17:46h
Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hat der 47-Jährige in einer E-Mail die Substanz Repoxygen erwähnt, ein praktisch nicht nachweisbares Mittel zur gentechnischen Leistungssteigerung. Für den Heidelberger Wissenschaftler und Doping-Experten Werner Franke ist die Mail Beleg für den Anbruch eines neuen Zeitalters: «Es geht ganz konkret um transgenes Doping.»
Die belastenden E-Mails von Springstein, der sich in dem Magdeburger Prozess wegen Minderjährigen-Dopings verantworten muss, waren bei einer Razzia in seinem Privathaus gefunden worden. In dem Verfahren hatte das Gericht am 16. Januar diese Mails verlesen. «Das neue Repoxygen ist schwer erhältlich. Bitte gib mir bald neue Instruktionen, so dass ich die Produkte vor Weihnachten bestellen kann», heißt es in einer dieser beschlagnahmten Schriftstücke von Springstein. Die Substanz, die als Medikament nicht zugelassen ist, verankert das EPO-Gen in Muskelzellen. Damit löst es die Produktion von Erythropoetin (EPO) und dann im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen aus. Dies führt zu einer Erhöhung der Ausdauerleistung eines Sportlers.
«Repoxygen ist eine ernsthafte Bedrohung», sagte der amerikanische Doping-Experte Larry Bowers. Mit bisherigen Nachweisverfahren ist die Wirkung dieses Mittels nicht nachweisbar. Bis zu den Olympischen Winterspielen vom 10. bis 26. Februar in Turin ist ein solches Verfahren nicht mehr zu entwickeln. Die gesundheitlichen Risiken der Einnahme dieses Präparats werden als sehr hoch eingeschätzt.
Im Internet hat sich Springstein, Lebensgefährte und Trainer der vor Weihnachten zurückgetretenen Welt- und Europameisterin Grit Breuer, nach dem «FAZ»-Bericht» unter anderen mit dem Arzt Berend Nikkels ausgetauscht. Er hat in einem niederländischen Team Eisschnelllauf-Olympiasieger Gianni Romme und Weltmeister Erben Wennemars betreut. Außerdem hat der Ex-Coach auch Kontakt mit einem Doktor Pareita über Dopingmittel wie Anabolika, EPO, Wachstumshormon und reines Coffein gehabt. Pereita warnt ihn zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Blutverdünner Perfluorkarbon vor synthetischem Hämoglobin, das zu einer lebensgefährlichen Abwehrreaktion führen könne. Gleichzeitig versprach er zu versuchen, es aus amerikanischen Krankenhäusern zu bekommen.
«Das ist nicht nur Doping, das ist kriminell. Hier geht es um Absprache zur Körperverletzung», meinte Franke nach Ansicht der Mails. «Das ist schlimmer als in der DDR und brutaler als beim Balco-Skandal.» Der Balco-Skandal um das gleichnamige kalifornische Labor erschütterte zuletzt den amerikanischen Sport.
Neben der Nennung der Substanzen sind auch die Hinweise auf die frühere Weltklasseathletin Grit Breier als mögliche Doping-Anwenderin in den Mails enthalten. «Es gibt nur eine Person, die G.B. sein kann: Grit Breuer», sagte Franke und verweist auf die Daten zu den Olympischen Spielen 2004. «Alles, was sie in den letzten Jahren gelaufen ist, ist demnach Lug und Trug.»
Bei der Hausdurchsuchung bei Springstein im September 2004 fand die Polizei 20 Wirksubstanzen, die der Ex-Coach und Bodybuilder für den Eigenbedarf angeschafft haben will. (dpa)
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