Von DIETER BROCKSCHNIEDER, 31.05.06, 22:27h
Um 9.30 Uhr erschien der unangemeldete Besuch bei Rektor Mathias Winiger. 30 Männer und Frauen hängten Bürotüren aus und ließen Transparente aus Fenstern flattern: „Besetzt“, stand darauf. Winiger diskutierte kurz mit den Studenten, forderte sie dann aber auf, das Rektorat zu verlassen. Als sie nicht gingen, rief Winiger die Polizei und stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs.
Zunächst kamen nur einige Beamte in Zivil, die vor allem dafür sorgten, dass niemand mehr in die Verwaltungsräume kam. Die Besetzer erhielten 15 Minuten Bedenkzeit, um zu beraten, ob sie Winigers Aufforderung folgen sollten. Währenddessen setzten sich draußen etwa zwei, drei Dutzend weitere Studentenauf die Stufen des Rektorats. Alles ziemlich friedlich.
Gegen 12 Uhr änderte sich die Situation. Etwa 20 Einsatzwagen der Polizei, teilweise mit Kölner Nummernschild, wurden am Hofgarten postiert, Bereitschaftspolizisten in schwerer Uniform rückten zum Rektorat vor, wo sie mit Rufen wie „Wir wollen Bildung, keine Polizei“ und „Polizisten seid nicht blind, es geht auch um euer Kind“ empfangen wurden. Einige Beamte sorgten dafür, dass die Tür wieder geöffnet werden konnte, Kollegen gingen ins Gebäude und forderten die Besetzer erneut auf, das Hausrecht des Rektors zu akzeptieren. Die meisten verließen daraufhin die Büroräume, acht Studierende, vier Männer, vier Frauen im Alter von 19 bis 24 Jahren, wurden herausgetragen und festgenommen. Ein 22-jähriger Student, der nach Polizeiangaben einen Streifenwagen mit einem Stift beschmiert haben soll, wurde ebenfalls festgenommen. Beim Zugriff soll er leichte Verletzungen an einer Hand erlitten haben. Alle neun wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen. Inzwischen hatte die Uni nach Mitteilung der Polizei ihren Strafantrag zurückgezogen.
Etwa 600 Demonstranten zogen am Nachmittag vom Hofgarten durch die City, blockierten dabei zwischen 15.40 und 16.30 Uhr den Bertha-von-Suttner-Platz, so dass Busse und Bahnen lahm gelegt wurden. Bei einer Kundgebung auf dem Münsterplatz erklärte Verdi-Mitglied Peter Biehl, Streikleiter an der Bonner Uni-Klinik, den Studenten die Solidarität der Gewerkschaft und warnte die Politiker vor gewalttätigen Protesten wie in Frankreich.
Heute beginnt um 9 Uhr im Festsaal der Uni die Sitzung des Senats, in der über die Einführung einer Studiengebühr von 500 Euro pro Semester entschieden werden soll. Da mit Protesten und Störungen gerechnet wird, hat Rektor Winiger vorsichtshalber für 19 Uhr einen geheim gehaltenen Raum für eine weitere Tagung des Senats gemietet.
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