Erstellt 01.06.06, 10:15h, aktualisiert 01.06.06, 21:54h
Was die Polizisten beim Gang durch die rund 260 besetzten Wohnung sahen, verschlug ihnen die Sprache. „Viele Räumen waren verwüstet. In einigen Wohnungen haben die Besetzer auf den Boden uriniert“, sagte Volker Lange, stellvertretender Leiter der Bereitschaftspolizei. Die Stadt sprach von „hygienisch katastrophalen und sicherheitsgefährdenden Zuständen“. In den Räumen wurden gefüllte Benzinkanister entdeckt; außerdem stellte die Bauaufsicht Manipulationen an den elektrischen Anlagen fest, die bereits zu Kabelbränden geführt hatten. Die Polizei sprach von angestiegenen Straftatzahlen in dem Viertel und „gravierenden baulichen Veränderungen“. So seien beispielsweise Dächer teilweise abgedeckt oder mehrere Wände zu anderen Gebäuden durchbrochen worden. Bei der Durchsuchung hatten sich viele Polizisten einen Mundschutz aufgesetzt, denn die Polizisten mussten auch die völlig verdreckten Toiletten nach Besetzern absuchen. In einem WC lag ein totes Huhn.
Einen richterlichen Beschluss für die Aktion gab es nicht, teilte die Initiative Barmer Viertel mit. „Den brauchten wir auch nicht“, sagte ein Polizeisprecher. Die Stadt hatte die Polizei im Rahmen eines so genannten Amtshilfeersuchens gebeten, den Zugang zu den Häusern zu gewährleisten. Denn dies wurde Vertretern des Bauamtes, der Feuerwehr und dem Gesundheitsamt nur teilweise erlaubt, teilte die Polizei mit. Weil gegen die Besetzer ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet war, mussten die Männer und Frauen mit auf die Wache kommen. Polizeipräsident Klaus Steffenhagen zeigte sich am Nachmittag zufrieden: „Wir wollten das Problem noch vor der Weltmeisterschaft lösen.“
Die Grünen kritisierten die Aktion als „unnötige Machtdemonstration“ der Kölner Verwaltungsspitze. Bisher gebe es keine Entscheidung, was nach dem Abbruch dort entstehen soll. Jörg Detjen („Die Linke“) kritisierte die gestrige Aktion im Morgengrauen als „rechtlich fragwürdig“.
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