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Im Land der „Mücher Heufresser”

Von GUIDO WAGNER, 20.06.06, 10:43h

Wasserburg und Lyrik am Weg: Die Rundtour bei Much erzählt im Winter vom Sommer. An zwölf Stationen fangen Gedichte des Mucher Lyrikers Arnold Leifert auf Plexiglasinstallationen die Fantasie des Wanderers ein.

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Der Mucher Lyrikweg
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Kalt pfeift der Wind über die Höhe, treibt die kleinen Wolken am Himmel wie Schäfchen fort in die Richtung, wo der Horizont ganz besonders blau und eiskalt scheint. Ach, wär´ doch nur schon Frühling. Auf dem Panorama-Rundweg um Much beginnt sogar der Sommer schon am Wegesrand - zumindest in Gedanken.

An zwölf Stationen des Rundwegs fangen Gedichte des Mucher Lyrikers Arnold Leifert auf Plexiglasinstallationen die Fantasie des Wanderers ein, erzählen im Winter vom Sommer wie umgekehrt und geben zugleich den gerahmten (Aus-)Blick frei auf die hügelige Landschaft rund um die 15 000-Seelen-Gemeinde. Vom Wanderparkplatz Walmwiese aus folgen wir dem "Lyrikweg Much", der mit dem Panorama-Rundweg identisch ist, zunächst auf die Höhe bei Roßhohn, die uns einen guten Rundumblick auf das Land der "Mücher Heufresser" beschert. So nämlich werden die Leute im Mucher Land bisweilen auch ein wenig neckend genannt. Nicht, dass Heu hier als Delikatesse gelten würde, vielmehr soll es den Muchern einst als himmlische Medizin vorgesetzt worden sein - und das ausgerechnet von dem, der für ihr Seelenheil zuständig war. Der Mucher Pastor, so erzählt man sich, soll einst vor langer Zeit mit Bürgermeister und Dorfarzt am Stammtisch gesessen haben, als der Bürgermeister den Geistlichen zu provozieren versuchte: "Herr Pastor, Sie haben ja viel Gewalt über Ihre Leute, aber ans Heufressen bringen Sie Ihre Gläubigen doch nicht." Hochwürden jedoch ließ sich nicht hochnehmen, schlug stattdessen eine Wette vor, auf die Arzt und Bürgermeister gerne eingingen. Am folgenden Sonntag nahm der Pastor nach der Predigt ein Bündel Heu und erzählte seiner Gemeinde, dass er diese heilkräftigen Kräuter vom Bischof in Jerusalem bekommen habe. Im Heiligen Land seien sie auf den Gräbern der Heiligen gewachsen. Weil die Mucher nicht alle dorthin wallfahren könnten, dürften sie alle etwas davon essen. "Dann werdet ihr nie krank, werdet nicht vom Teufel verführt und kommt nicht ins Fegefeuer", versprach der Gottesmann - und hatte nach wenigen Minuten seine Wette gewonnen und den Muchern zu ihrem Spitznamen verholfen.

Zu kurz für jegliche Heu-Ernte ist der Rasen auf dem Golfplatz links und rechts des Wegs, der uns hinunter ins Wahnbachtal führt, bevor wir auf der anderen Seite wieder hinaufsteigen. Unweit der ehemaligen Jugendherberge, deren Gebäude heute als "FIT-Hotel" um Gäste wirbt, erwartet uns ein reizvoller Ausblick auf den Mucher Ortskern mit seiner St. Martinus-Kirche, deren Turm und Langhaus bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. 1131 wird Much erstmals urkundlich erwähnt - Papst Innozenz II. bestätigte damals die Kirche zu Much als Besitz des Bonner Cassius-Stiftes.

600 Jahre jünger und einzigartig im Erzbistum Köln ist die Kapelle, die der Wanderer wenig später passiert. Um 1714 als Dreifaltigkeits-Kapelle erbaut, ist sie seit 1887 als einziges Gotteshaus im Erzbistum der heiligen Germana, der Patronin der Hirten, geweiht.

An ein dunkles Kapitel der Mucher Geschichte erinnert das Denkmal am Ortseingang: Zwischen 1941 und 1942 stand hier ein Lager, in dem Juden aus dem Siegkreis interniert und dann nach Theresienstadt und in die Vernichtungslager im Osten deportiert wurden.

Unweit des Kreisverkehrs erblicken wir die Wasserburg Overbach, die - erstmals 1487 erwähnt - in ihrer heutigen Gestalt aus dem 16. Jahrhundert stammt und seit 1984 dem örtlichen Golfclub gehört.

Umgeben von Fachwerkhäusern empfängt uns die St. Martinus-Kirche, die im Inneren mit einem spätgotischen Sakramentshäuschen ebenso überrascht wie mit einem romanischen Taufstein. Dass hier einst auch der Heu-Pastor gewirkt haben soll - kaum zu glauben. Von tiefer Gläubigkeit zeugt indes an unserem Rückweg die Fatimakapelle, die Mucher nach 1945 errichteten - als Dank für die Rettung des Dorfs aus großer Kriegsnot.



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