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4711 sucht wieder neuen Besitzer

Von RALF ARENZ, 01.08.06, 20:59h

Das Fläschchen mit dem grün-goldenen Etikett und dem goldenen Deckel gehört zu Köln wie der Dom: Echt Kölnisch Wasser eben. Aber über Wohl und Weh der Marke 4711, die zeitweise in über 60 Länder der Welt exportiert wurde, wird schon lange nicht mehr am Rhein entschieden.

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Die traditionsreiche Parfümmarke „4711 - Echt Kölnisch Wasser“ ist nicht international genug - und steht nun zum Verkauf.
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Die traditionsreiche Parfümmarke „4711 - Echt Kölnisch Wasser“ ist nicht international genug - und steht nun zum Verkauf.
Das Fläschchen mit dem grün-goldenen Etikett und dem goldenen Deckel gehört zu Köln wie der Dom: Echt Kölnisch Wasser eben. Aber über Wohl und Weh der Marke 4711, die zeitweise in über 60 Länder der Welt exportiert wurde, wird schon lange nicht mehr am Rhein entschieden. Bereits 1994 endete die Selbstständigkeit des Herstellers. Die zerstrittenen Vettern Ferdinand Mülhens und Dieter Streve-Mülhens verkauften ihre Anteile von über 90 Prozent an die Wella AG aus Darmstadt.

Von da an stärkte 4711 die Duftsparte des Darmstadter Unternehmens und machte Wella viel Freude. Bereits im Jahr des Kaufs stieg der Umsatz von 4711 um ein Viertel. Weitere Umsatzsprünge konnte Wella in den folgenden Jahren vermelden. Und auch der Standort Köln profitierte. 1995 verlagert Wella die Tosca-Produktion von Berlin nach Köln. Zwei Jahre später fasste Wella die Kölner Muelhens KG, wie das Unternehmen inzwischen hieß, die französische Rochas, die Gucci-Lizenz sowie zahlreiche Vertriebsgesellschaften in der 100-prozentigen Tochter Cosmopolitan Cosmetics zusammen. Köln Hauptsitz des neuen Unternehmens. Hier und in Poissy bei Paris wurden die Düfte auch produziert.

Nur eine

Zwischenstation

Dennoch blieb auch Wella nur eine Zwischenstation für 4711. Der amerikanische Konsumgüterriese Procter & Gamble schluckte vor drei Jahren Wella. Und die neuen Herren durchforsten seitdem Standorte und Marken. Im Zuge der Integration von Wella sollten sieben der 20 Werke verkauft werden. Dabei blieb der Standort Köln-Bickendorf zunächst noch weitgehend ungeschoren. Als Procter & Gamble aber 2005 strategische Einheiten seiner Tochterfirmen in die Schweiz verlagerte, waren auch 60 Kölner Mitarbeiter betroffen.

Procter & Gamble ist stolz darauf, dass die Verbraucher in aller Welt drei Milliarden Mal am Tag mit Marken des Konzerns in Berührung kommen, sei es mit Ariel, Gillette, Pampers, Pringles, Lenor oder Düfte und Kosmetik der Marke Hugo Boss.

Das Unternehmen setzt auf Marken mit einem hohen Potenzial für weltweites Wachstum. Dieses Potenzial sieht Procter & Gamble aber bei 4711, Tosca, Sir Irisch Moos und Extase nicht. Und deshalb stellt das Unternehmen die Marken, die Rezepturen und das 4711-Stammhaus in der Glockengasse zum Verkauf. Die Duftwässer könnten aber für ein anderes Unternehmen „ein interessantes und wertvolles Geschäft sein“, heißt es bei Procter & Gamble.

Ein Verkauf mache für Procter & Gamble Sinn, meint Rolf Drees von der Düsseldorfer WGZ-Bank. Der Duftmarkt sei vor allem in Europa ein sehr reifer Markt. Großes Wachstum ließe sich hier nicht mehr erzielen. Insbesondere in Deutschland dämpften auch die demographischen Probleme. In einem solchen Umfeld haben es aber gerade die Marken im mittleren Preissegment schwer, so Drees. Ob beim Autokauf oder im Supermarktregal - gefragt sind Premiumprodukte und Billigmarken. Und in diesem mittleren Preissegment müssen sich 4711, Tosca und Sir Irisch Moos behaupten. Dazu kommt noch, dass 4711 vor allem ältere Kunden anspricht.

Welcher Umsatz derzeit mit den Marken erwirtschaftet wird oder gar welches Ergebnis sie erzielen, will Procter & Gamble nicht sagen. Dennoch zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich, einen geeigneten Käufer zu finden, der diese Marke erfolgreich fortführt.

Auf die etwa 40 betroffenen Mitarbeiter, werde der Verkauf keinen Einfluss haben, glaubt Procter & Gamble. Das Unternehmen zeigt sich auch zuversichtlich, dass die Mitarbeiter in der Glockengasse von einem neuen Besitzer weiter beschäftigt werden.

Das Werk Köln-Bickendorf, wo unter anderem die zum Verkauf stehenden Düfte hergestellt werden, werde jedenfalls weiter eine bedeutende Rolle innerhalb der Produktionsstätten des Unternehmens spielen, so Procter & Gamble. Bei Cosmopolitan Cosmetics wollte sich niemand äußern.



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