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Neues Leben auf dem Hof

Von THOMAS LINDEN, 15.08.06, 19:43h

Mit flatternden Ohren rennt das Schwein aus dem Stall über die Weide in Emmas Arme. Sie küsst und drückt das freudig erregte Tier - und greift zum Messer. Die Eröffnungssequenz von Sven Taddickens Spielfilm „Emmas Glück“ hat es in in sich. Und ebenso packend geht es weiter.

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Für Emma (Jördis Triebel) liegt das Glück in der Wiese.
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Für Emma (Jördis Triebel) liegt das Glück in der Wiese.
Mit flatternden Ohren rennt das Schwein aus dem Stall über die Weide in Emmas Arme. Sie küsst und drückt das freudig erregte Tier, dann jedoch sieht man Stahl zwischen den Grashalmen aufblitzen. Emma greift zum Messer, und schon ist es um das Schwein geschehen. Auf die Frage, warum sie ihre Schweine auf diese Art vom Leben zum Tod befördere, antwortet Emma: „Sie haben sonst immer so geschrien“.

Nicht nur für das Schwein hat das Glück zwei Seiten. Die Eröffnungssequenz von Sven Taddickens Spielfilm „Emmas Glück“ hat es in in sich. Danach gibt es keinen Zweifel mehr, dass man im Kino sitzt und nicht vor der Mattscheibe, denn einen solchen Beginn würde kein Fernsehproduzent heutzutage durchgehen lassen. Taddicken weiß, was er dem Kinopublikum schuldig ist; im gleichen, zupackenden Stil geht es weiter. Kamerafrau Daniela Knapp liefert ihm dazu Bilder, die auf der großen Leinwand bestehen können, und Ruth Toma schuf gemeinsam mit Claudia Schreiber ein Drehbuch, das Schreibers Romanvorlage klug kürzte.

Solche Filme, in denen es immer um alles geht, sind selten im deutschen Kino; aber es gibt sie, wie Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der anderen“ oder Mathias Glasners „Der freie Wille“ beweisen, in dem Jürgen Vogel die Hauptrolle spielt. Der ist auch hier mit dabei und spielt Max; ein krebskranker Autoverkäufer, der nur noch kurze Zeit zu leben hat. Max raubt seinem Chef und einzigen Freund Hans (Martin Feifel) die Tageskasse, um damit nach Mexiko durchzubrennen. Er kommt aber nicht weit und verunglückt mit seinem gestohlenen Ferrari auf Emmas Grundstück.

Die junge, wortkarge Bäuerin lebt alleine auf ihrem hoch verschuldeten Hof und wird von den Dorfbewohnern für verrückt gehalten. Jördis Triebel lernte das Schauspielhandwerk am Bremer Theater und wagt sich mit dieser Rolle erstmals auf die Leinwand. Hier ist sie ein Ereignis; selbst wenn Taddickens Inszenierung gegen Ende ihre zwingende Konsequenz verliert, vermag die junge Schauspielerin mit wenigen Worten, aber um so überzeugenderer Präsenz die Faszination dieser verdrehten Liebesgeschichte aufrecht zu halten. Die Geschichte bezieht ihre Originalität aus Rollentausch. Jürgen Vogel agiert erstaunlich zurückgenommen, wirkt verletzlich gegenüber einer kräftigen, semmelblonden Jördis Triebel, die Vogel auch schon einmal auf ihren Armen ins Haus trägt.

Gleichwohl verliert die bittersüße Geschichte nichts von ihrer erotischen Spannung, weil Emma auch einmal schwach sein darf und der todkranke Max Stärke beweist. Was wird aus Emmas Hof und was aus Maxens angeschlagener Gesundheit? Das Finale dieses Films geht unter die Haut, aber rührselig wird es nie - im Gegenteil, die mitreißende Musik und die sinnlichen Bilder garantieren ein beglückendes Kinoerlebnis.



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