Von NICOLE STÖTZEL, 24.09.06, 22:25h
Die ganz großen Glücksgefühle stellten sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ein. „Das kommt in ein paar Tagen. Am Mittwoch oder Donnerstag werde ich wohl mit einem Lächeln aufwachen“, vermutete Waske. Auf dem Platz war der Jubel aber für ein paar Minuten schon durchgebrochen. Als der Frankfurter seinen fünften Matchball verwandelt hatte, ließ er sich auf den Rücken fallen, streckte alle Viere von sich und wurde von Teamchef Patrik Kühnen herzlich gedrückt. Dann ging es auf den Schultern von Tommy Haas und Michael Kohlmann auf die Ehrenrunde. „Dass ich gewinne, hätte ich nicht gedacht. Paradorn hat mich in Stockholm auf einem Hartplatz einmal kräftig vermöbelt“, erklärte der 31-Jährige.
Doch Thailands Vorzeigeprofi wusste, warum ihm dies gestern nicht gelang. „Alex ist ein guter Spieler, wenn er für Deutschland spielt“, betonte Srichaphan. Normalerweise darf Waske für die Nationalmannschaft nur im Doppel ran, machte in seiner üblichen Rolle neben Michael Kohlmann am Samstag auch schon eine gewohnt gute Figur - Dreisatzerfolg gegen die Zwillinge Sanchai und Sonchat Ratiwatana. Danach ist er mit Haas am Rhein laufen gegangen. Dabei ist die Entscheidung gefallen. „Tommy hat zu mir gesagt: ,Mach Du es. Ich werde nach zwei Sätzen wieder am Ende sein. Dass er da Schwäche zeigt, ist menschliche Stärke“, zollte Waske seinem erschöpften Teamkollegen Respekt.
Und Waske überzeugte in seinem ersten Daviscup-Einzel mit bis zu 230 Stundenkilometer schnellen Aufschlägen und variablem Spiel. Nur beim Tiebreak im dritten Satz „war ich unmenschlich nervös“, so der Weltranglisten-114. Doch er hat die Nerven behalten und auch bei seinem Teamkapitän für „pure Erleichterung“ gesorgt. Der wurde nach dem 4:1-Erfolg mit anderen Problemen konfrontiert. Nicolas Kiefer, der sich in Düsseldorf zum Anfeuern angekündigt hatte, dann aber wegen einer Erkältung bei Patrik Kühnen absagte, ist zu Werbezwecken nach Vietnam gereist. Davon wusste der Teamchef nichts, glaubte weiter an eine Erkältung. Er will aber in den kommenden Tagen das Gespräch mit seinem Sorgenkind suchen.
Kühnens Vertrag läuft in diesem Jahr aus, doch die jüngsten Ungereimtheiten mit Kiefer werden ihn nicht zum Aufhören bewegen. „Ich fühle mich von allen akzeptiert und habe nach wie vor das Feuer weiterzumachen.“ Dem Thema Kiefer wollte er sich gestern Abend nicht mehr annehmen. „Ich will mich erst einmal freuen.“ Und dann stand noch ein Gespräch mit Haas an, dessen schneller Erschöpfung bei Untersuchungen in den nächsten Tagen auf den Grund gegangen werden soll.
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