Von JÖRG ZITTLAU, 05.10.06, 19:34h
Tatsache ist jedoch, dass recht fleißig geforscht wurde. So gibt es durchaus Belege für die Hauptthese der Reflexzonentherapeuten, wonach der Fuß ein Miniaturbild unseres Körpers darstellt, mit den Zehen als Kopf und der Fußsohlenmitte als Bauch. Messungen ergaben, dass tatsächlich bestimmte Organe wie Darm und Nieren mehr durchblutet werden, wenn man die ihnen zugeordneten Zonen an den Füßen bearbeitet.
Andere Studien zeigten auch Effekte auf bestimmte Krankheiten. An der Pusan National University in Korea senkte man mit einer zehnwöchigen Reflexzonentherapie den Blutdruck von Hypertonikern, und die letzten Wochen führten die Testpersonen die Massage sogar in Eigenregie, also ohne Therapeuten, durch.
In einer Studie der Universität Indianapolis unterstützte das Massieren die Nachbehandlung von Patienten, die gerade eine Operation hinter sich hatten: Sie litten deutlich weniger unter Komplikationen und postoperativen Schmerzen. Wie sich die Psyche per Fußsohlenmassage beeinflussen lässt, belegt eine Studie der East Carolina University im amerikanischen Greenville. Die dortigen Ärzte bekamen mit ihr die Ängste ihrer Krebspatienten in den Griff. Ihr Resümee fällt eindeutig aus: „Fußreflexzonentherapie ist ein Zugang zur zwischenmenschlichen Berührung, man kann sie überall durchführen, sie ist unaufwendig und braucht kein spezielles Zubehör, außerdem beeinträchtigt sie nicht das Privatleben der Patienten.“ Allesamt Kriterien, die von angstlösenden Psychotherapien und erst Recht von Psychopharmaka meistens nicht erfüllt werden. Das Autonome Nervensystem wird durch die Reize an den Fußsohlen ebenfalls angesprochen. Patienten berichten, dass sie sich im Anschluss an die Fußsohlenmassage entspannter fühlen, oft besser schlafen könnten. Allerdings zeigen sich mitunter auch andere Reaktionen wie etwa verstärktes Schwitzen, Juckreiz sowie ein starker Harn- und Stuhldrang - Phänomene, die, wie Prof. Reinhard Saller von der Naturheilkunde-Abteilung des Universitätsspitals Zürich beobachtet hat, „zum Aussetzen oder Verzicht der Therapie führen können“.
Skeptisch stimmt Saller außerdem das breite Anwendungsfeld, wie es von einigen Fußzonentherapeuten proklamiert wird. Es reicht von Migräne und Rückenschmerzen über Verstopfungen und Prämenstruellem Syndrom bis zu Schnupfen, Morbus Parkinson und multipler Sklerose - und so etwas gilt nun einmal nicht als wissenschaftlich. Saller betont denn auch, dass weitere klinische Arbeiten notwendig seien, um die Fußreflexzonentherapie als standardmäßige Dienstleistung durchsetzen zu können.
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22. April 2012,
E-Werk Köln
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