Von LARS STROMBACH, 11.10.06, 07:12h
Wir haben hier im Bergischen von diesen GigaLinern nichts zu befürchten, ist sich der Lindlarer Speditionsunternehmer Willi Kellersohn sicher. Interessiert verfolgt er in Fachpublikationen die Diskussion um die langen Giganten, die jetzt schon testweise durch Niedersachsen brausen. Die niederländische Spedition Wim Bosman befährt sogar testweise ein zehn Kilometer Teilstück der Autobahn A 3 in NRW, zwischen Emmerich und Heerenberg.
Solche Laster, so Willi Kellersohn, seien in Oberberg wegen der hier vorherrschenden Straßenverhältnisse und des eher kleinteilig organisierten Verkehrs sinnlos. Unsere Straßen sind für diese Fahrzeuge zu eng. Mit solch einem GigaLiner kann man kaum rückwärts rangieren, sagt Kellersohn, der die Laderampen vieler bergischer Firmen aus eigener Erfahrung kennt und weiß, dass die Höfe und Rampen hier zu eng bemessen seien. Der Anhänger müsse oft abgehängt und die Ladung müsse wahrscheinlich ständig umgeladen werden, vermutet der Lindlarer Spediteur. Ich wollte mit so einem Ding nicht durch Lindlar und schon gar nicht durch die Kreisverkehre fahren müssen, sagt Kellersohn.
Sehr zurückhaltend reagierte auch jüngst der ADAC auf die Modellversuche: Der Automobilclub warnt vor den Gefahren, die von den Transport-Giganten ausgehen. Brücken und Straßen seien diesen Giganten nicht gewachsen, überlange Stellplätze auf Rastplätzen seien nicht vorhanden, überall fehle der Platz zum Rangieren, und bei der Vorstellung, dass ein solcher Koloss in ein Stauende hineindonnert, klingeln bei den ADAC-Vertretern alle Alarmglocken.
Ein über 25 Meter langer Lkw-Zug auf deutschen Straßen war bislang undenkbar. Rangierbarkeit, Platzbedarf und Geschwindigkeit werden von Transport-und Verkehrsexperten kritisch gesehen. Keine Sicherheitsbedenken beim Einsatz von überlangen 60-Tonnen-Riesen-Lkw auf deutschen Straßen hat dagegen der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA), einer der Haupt-Befürworter dieser Fahrzeuge.
Die GigaLiner würden in Skandinavien seit 40 Jahren ohne negative Auswirkungen eingesetzt, so BGA-Präsidiumsmitglied Gerhard Riemann.
Gegner sehen die GigaLiner vor allem als Gefahr für Pkw-Fahrer, gerade beim Einfädeln in den fließenden Verkehr auf der Autobahnauffahrt oder beim Überholvorgang. Befürworter halten die GigaLiner für eine Möglichkeit, das wachsende Gütertransportaufkommen zu bewältigen, denn zwei GigaLiner können soviel transportieren wie drei herkömmliche Lastzüge.
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