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Fahndung auf der Rolltreppe

Von ANNEKE SCHAEFER, 10.10.06, 20:19h, aktualisiert 10.10.06, 21:04h

Das Bundeskriminalamt startet sein neues Forschungsprojekt „Foto-Fahndung“. Um Gefahren abzuwehren, können demnächst Fahndungsfotos ins System eingespeist und so nach Tätern gesucht werden.

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Gestern stellte das Bundeskriminalamt das Forschungsprojekt „Foto-Fahndung“ vor.
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Gestern stellte das Bundeskriminalamt das Forschungsprojekt „Foto-Fahndung“ vor.
MAINZ. Ganz in Gedanken steht Mathias Brück auf der Rolltreppe im Mainzer Bahnhof. Zwanzig Sekunden dauert die Fahrt. Zeitgleich arbeiten im Heizungskeller des Bahnhofs Computer auf Hochtouren. Drei Kameras richten sich auf Brück und alle anderen auf der Treppe. Die Computer vermessen Gesichter, wandeln die Daten in mathematische Formeln um und vergleichen sie mit denen von 200 anderen. Die Systeme kennen Brück nicht, sein Bild wird nicht gespeichert - und er hat von alledem nichts gemerkt. Pro Tag werden die Maschinen bis zu 20 000 Reisende scannen.

Gestern stellte das Bundeskriminalamt (BKA) das Forschungsprojekt „Foto-Fahndung“ vor, das bis Ende Januar 2007 läuft und Systeme zur Gesichtserkennung testen soll. 200 Menschen haben sich bereit erklärt, dass das BKA mit Fotos vier Monate lang per Videoüberwachung nach ihnen „fahndet“. So auch Martin Werner. Der 53-Jährige pendelt fast täglich von Bingen zur Arbeit. Die Teilnehmer sollten möglichst einmal pro Werktag auf der Rolltreppe in der Eingangshalle stehen. Am Ende wertet das BKA aus, wie oft die Kameras die Gesichter erkannt haben. Martin Werner macht das gerne, um der Demokratie willen: „Der Staat muss sich schützen, und dies ist eine Möglichkeit, das gewaltlos zu tun“, sagt er. Tag für Tag werden sich die Kameras insbesondere auf den Abstand seiner Augen und auf seine Nasenspitze konzentrieren.

BKA-Vizepräsident Jürgen Stock erläutert die Einsatzmöglichkeiten - für den Fall, dass die Systeme tatsächlich so genau arbeiten wie erhofft. Um Gefahren abzuwehren, könnten demnächst Fahndungsfotos ins System eingespeist und so nach Tätern gesucht werden. Dann wäre es möglich, auch bekannte Hooligans vor Fußballspielen aus der Masse zu „filtern“ oder nach vermissten oder hilflosen Personen zu suchen. Die Gesichtserkennung könnte auch der Terrorismusbekämpfung dienen, wenn die potenziellen Täter bekannt sind.

Doch BKA-Vize Stock sieht die tatsächliche Einführung noch „weit am Horizont“. Zunächst müsse die Gesellschaft die Technik akzeptieren und dann die Politik entscheiden. Kritikern nimmt er den Wind aus den Segeln, indem er klarstellt: „Es geht nicht um eine pauschale Überwachung, sondern um die gezielte Suche.“ Das Projekt ist vom Bundesbeauftragten für Datenschutz genehmigt, doch die Behörde warnt für die Zukunft: „Sehr bedenklich wäre eine Verknüpfung mit biometrischen Daten, die in Ausweispapieren gespeichert sind.“ Ein Abgleich mit wirklichen Fahndungsbildern findet laut BKA nicht statt. Und die Aufnahmen Unbeteiligter müssen nach 48 Stunden gelöscht werden. Projektleiter Andrew Pretzel sagte, das BKA sei mit dem 210 000 Euro teuren Versuch weltweit in einer Vorreiterrolle. Er erwartet eine Erkennungsrate von etwa 80 Prozent. Im Februar will das BKA die Ergebnisse veröffentlichen - und sagen, wie es weiter geht.



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