Von LUTZ BLUMBERG, 31.10.06, 07:12h
Nur der Betreuer von Guiseppe hatte die Situation richtig eingeschätzt und seinen Schützling mit dem Handtuchwurf aus dem Wettbewerb genommen. Thomas Jensen wird zum Sieger erklärt. Der Dänische Meister im Muay-Thai-Kampfsport steht im Halbfinale.
Bis die Veranstaltung, wie berichtet, wegen einer Bombendrohung abgebrochen wurde, war die Mühlenberghalle am Samstag das Mekka einer harten Sportart. Die Meisterschaft im Schwergewicht der K-1-Kämpfer wurde austragen (siehe Kasten).
Rund 750 Besucher sind gekommen, viele aus den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr. Es geht zu wie bei einem klassischen Boxkampf. Gleißendes Licht, hämmernde Bässe, wenn die Kämpfer in den Ring springen. Aber nicht nur Schläge werden hier ausgeteilt, auch Tritte sind erlaubt. Nur die Ellenbogen müssen unten bleiben. Der nächste Kampf: Goran The Twister Vidakovic ist im Ring. Er tritt gegen Astrit Morena an. Es wird ein harter Kampf. Goran geht zu Boden. In seiner Ecke steht Sahin Asiye und schreit ihm immer wieder zu Deckung, Goran, nimm deine Deckung höher.
Sahin ist zierlich, bringt gerade mal 48 Kilo auf die Waage und kämpfte schon im Deutschen Nationalteam bei den Weltmeisterschaften. Goran ist mehr als doppelt so schwer wie Sahin, trotzdem folgt er ihren Anweisungen aufs Wort. Den Eisbrocken in ihrer Hand hat Sahin vergessen, so sehr ist sie auf den Kampf konzentriert. In der Pause nach der ersten Runde hat sie damit noch Gorans Beine gekühlt. Als Goran den Kampf nach Punkten gewinnt, springt sie in den Ring und fällt ihrem Schützling in die Arme.
Rund um den Ring riecht es nach Desinfektionsmitteln, mit denen die Betreuer die bandagierten Beine der Kämpfer einsprühen. Die Zuschauer fiebern mit. Anfeuerungsrufe auf Deutsch, Türkisch oder Albanisch mischen sich. In der K-1 Disziplin mischen sich verschiedene Kampfstile, erklärt Michael Berg, Vorsitzender des Boxclubs Wipperfürth. Es ist nicht so hart wie Thai-Boxen, aber sehr schnell, fügt er hinzu. Auf jeden Fall ist es härter als das klassische Boxen, erklärt Ringarzt Dr. Wolf-Dieter Wenzel. Er muss einige Male in den Ring und nachschauen, ob sich ein Kämpfer ernstlich verletzt hat.
Ausgerichtet wird die Kickbox-Gala an diesem Abend unter dem Dachverband I.C.B.O., der International Chinese Boxing Organization, einer von vielen Verbänden in diesen Kampfsportarten. Und eins wird am Samstagabend am Ring in der Mühlenberghalle klar: Hier fliegen nicht nur Fäuste gegeneinander. Hier am Ring ist auch eine Nahtstelle zwischen den Welten. Sport und martialische Rituale treffen aufeinander.
Die Kämpfe im Ring zeichnen sich nicht nur durch Härte aus, dass der Unterlegene dem Sieger nach dem Kampf gratuliert gehört zum guten Ton. Trotzdem ist der Sport nicht im direkten Fokus der Berichterstattung. Spartensender übertragen die Kämpfe spät in der Nacht, Sportzeitungen berichten selten. Bei dem Wipperfürther Turnier winkt ein Preisgeld in Höhe von 2500 Euro für den ersten Platz. Das ist für diese Sportart ein hoher Preis, sagt Michael Berg.
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