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Aufruf zum Miteinander im Sport

Von JOACHIM SCHMIDT, 30.10.06, 22:03h, aktualisiert 30.10.06, 22:04h

In der 1. Kölner Sportrede stellte Wolfgang Schäuble eine stärkere Respektierung ehrenamtlicher Tätigkeiten im Sport sowie die Erhaltung der bunten Vielfalt des sportlichen Tuns in den Mittelpunkt.

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Wolfgang Schäuble will das Ehrenamt stärken.
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Wolfgang Schäuble will das Ehrenamt stärken.
KÖLN. Eine stärkere Beachtung und Respektierung ehrenamtlicher Tätigkeiten im Sport, keine Leistungen und Siege um jeden Preis sowie die Erhaltung der bunten Vielfalt des sportlichen Tuns hat Wolfgang Schäuble in den Mittelpunkt der 1. Kölner Sportrede gestellt, die er gestern im Hansasaal des historischen Rathauses hielt. Anlass war die 25-Jahr-Feier der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes, die seit drei Jahren in Köln ansässig ist. Das Jubiläum war bereits im Vorjahr, und Schäuble wurde damals als Redner eingeladen, nicht ahnend, dass er sie mit Verspätung dann als Bundesinnenminister halten würde.

„Die Einsicht, dass es mehr befriedigt, sich für andere Menschen einzusetzen, als vor dem Fernseher zu sitzen, muss sich durchsetzen. Dabei muss der Einzelne aber bereit sein, freiwillig ehrenamtlich zu arbeiten, sonst geht es nicht“, forderte Wolfgang Schäuble zur Mitarbeit auf. Das gelte auch für junge Leute. Bei denen sollte solch ein Engagement bei einer möglichen Arbeitsplatzsuche durchaus mitberücksichtigt und nicht nur auf schulische Noten geachtet werden.

Immer wieder kehrte Schäuble während seines einstündigen Vortrags, der unter dem Motto „Die Zukunft des deutschen Sportsystems“ stand, auf die Erhaltung der breiten Vielfalt der ausgeübten Sportarten zurück. Es dürfe nicht angehen, dass unter dem Diktat der Medien, und hier insbesondere des Fernsehens, bestimmte wenige Sportarten zu sehr in den Fokus der Berichterstattung gestellt, die vielen anderen aber kaum oder gar nicht beachtet würden. „Wir müssen dem entgegen wirken, dass einige wenige zu dominant sind“, forderte er und rief die Medien zur Mäßigung auf. In diesem Zusammenhang klagte er auch gegen „Modeerscheinungen“ und nannte, ohne die Sportart auszusprechen, die Ausuferung der live übertragenen Profi-Boxkämpfe bei ARD und ZDF an den Samstagabenden. Demgegenüber tue es ihm - obwohl ein eingefleischter Fußballer - „in der Seele weh, wie sich die Leichtathleten abkämpfen müssen, um Aufmerksamkeit zu erlangen“.

So plädierte der Politiker dafür, dass Sportsender oder Spartenkanäle vermehrt Veranstaltungen und Sportarten übertragen sollten, die keine Publikumsmagneten seien oder nicht in der Gunst der Sender für große Live-Übertragungen stehen würden. Der Innenminister warnte jedoch davor, dass der Gesetzgeber hier reglementierend eingreife.

Zur aktuell aufgeflammten Diskussion über Gegenmaßnahmen zur Gewaltbekämpfung und dem Rassismus bei Sportveranstaltungen lobte Wolfgang Schäuble das Vorgehen des Vorsitzenden des Fußballkreises Siegen-Wittgenstein, der aus Protest gegen die Gewalt gegen Schiedsrichter alle Kreisligaspiele des vergangenen Wochenendes absetzte. Das Problem der Gewalt zeige aber auch, dass der Sport von den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht abzukoppeln sei.

„Nur um den Preis

des Fairplay“

Ähnlich sei es mit dem Doping, das er scharf verurteilte und dazu aufrief, die Dopingbekämpfung nachhaltig zu unterstützen. „Ich bin für das Gewinnen, für das Motto: Schneller, höher, weiter - aber nur um den Preis des Fairplay. Wir dürfen nicht sagen: Wenn die anderen dopen, dürfen wir das auch“, erklärte Wolfgang Schäuble. Auch hier müsse der Übertreibung wie in so manch anderer Lebenssituation Einhalt geboten werden. So rief er zur Mäßigung auf und stellte die suggestive Frage: „Müssen wir alles nach Markt und Wettbewerb ausrichten?“



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