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Kinder starben durch Kohlenmonoxid

Erstellt 29.10.06, 21:29h

Das Rätsel um die Familientragödie mit zwei toten britischen Kindern auf der griechischen Ferieninsel Korfu ist gelöst: Die Kinder haben hochgiftiges Kohlenmonoxid eingeatmet. Das Gas strömte vermutlich aus der Klimaanlage in das Zimmer.

Athen/Korfu - Das Rätsel um die Familientragödie mit zwei toten britischen Kindern auf der griechischen Ferieninsel Korfu ist gelöst: Die Kinder haben hochgiftiges Kohlenmonoxid eingeatmet. "Wir haben hohe Kohlenmonoxidwerte im Blut der Kinder gefunden", sagte der griechische Gerichtsmediziner Theodoros Vougiouklakis im Fernsehen. "Daran sind sie gestorben." Das Gas ist seiner Ansicht nach vermutlich durch defekte Leitungen der Warmwasser- und Klimaanlage ins Zimmer der Briten gelangt.

Auf der Insel Korfu herrschte am Sonntag Empörung über die Umstände unter denen der Urlaub der britischen Familie zum Albtraum verwandelt wurde. "Wenn es Verantwortliche gibt- und die gibt es ganz sicher- müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden", hieß es in Kommentaren der lokalen Radiosender. Frühere Bewohner des Bungalows, in dem sich am vergangenen Donnerstag die Tragödie abspielte, sagten im Fernsehen, ihnen sei dort wegen Abgasgestanks übel geworden, und sie hätten sich deshalb mehrmals am Hotelempfang beschwert. Die Hoteldirektion hätte aber nichts unternommen, hieß es. "Sie meinten, wir seien betrunken gewesen", sagte eine Touristin.

Die Staatsanwaltschaft der Insel Korfu ermittelt gegen die Besitzer, den Direktor und zwei Techniker des Hotels. "Wir werden dem Hotel die Lizenz entziehen, wenn wir Beweise finden, dass seine Führung fahrlässig gehandelt hat", sagte die griechische Tourismusministerin Fani Palli-Petralia am Sonntag im Rundfunk. Sie wollte ihren britischen Kollegen über die Ereignisse auf Korfu informieren.

Die britische Familie war am 23. Oktober angekommen und sollte bis zum 30. Oktober auf Korfu bleiben. Ursprünglich sollte sie in einem anderen Hotel wohnen. Da dieses aber vorzeitig schloss, wurden sie im "Louis Corcyra" untergebracht. Die griechisch-zyprische Hotelkette "Louis" besitzt mehrere Hotels in Griechenland und betreibt zudem zahlreiche Kreuzfahrten in der Ägäis und im Mittelmeer.

Die griechische Tourismusbranche zeigte sich besorgt über den tragischen Vorfall. "Mehr als 500 000 britische Touristen verbringen jedes Jahr ihren Urlaub auf Korfu. Das was auf Korfu geschehen ist, ist sehr schlecht für unseren Tourismus", meinte der Präsident der griechischen Reiseagenturen, Spyros Ginis, im Rundfunk.

Ingenieure untersuchten unterdessen den Bungalow, in dem die beiden Kinder starben. Dabei wurde den Angaben zufolge entdeckt, dass Gase aus einem defekten Warmwasserbehälter in die Klimaanlage und damit auch in den Bungalow gelangt seien. Der genaue Hergang des Unfalls müsse jedoch weiter untersucht werden, meinten Experten im Fernsehen. Dort wurden Aufnahmen von einem verrosteten Warmwasserbehälter gezeigt und von Rohren der Klimaanlage, die durch ein notdürftig geschlagenes Loch in den Bungalow führten.

Ein Zimmermädchen des Hotels "Louis Corcyra" in der Ortschaft Gouvia hatte am vergangenen Donnerstag die Leichen der Kinder entdeckt. Der Vater der Kinder und dessen Freundin, die im gleichen Zimmer wohnten, liegen im Krankenhaus. Sie schwebten jedoch nicht mehr in Lebensgefahr, hieß es am Sonntag aus dem Krankenhaus. Die beiden Erwachsenen erlitten nach Fernsehberichten einen Schock, als sie am späten Samstagabend durch Psychologen vom Tod der Kinder erfuhren. Die leibliche Mutter der Kinder traf am Samstagabend auf Korfu ein, um die Toten zur Beerdigung nach Großbritannien zu bringen. Sie wurde von der Polizei und Mitarbeitern der britischen Botschaft von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

(dpa)



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