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„Druidin“ auf Drogenjagd

Von SIGRID SCHULZ, 10.01.07, 21:35h

Bensberg - Was geht im menschlichen Gehirn vor sich und wie wirkt sich das auf das Autofahren aus? Nur eine von vielen Fragen, die die Neuropsychologin Dr. Anja Knoche bei der BASt beschäftigen. Sie ist eine Expertin in Sachen "Idiotentest".

BENSBERG. Was geht im menschlichen Gehirn vor sich und wie wirkt sich das auf das Autofahren aus? Wie ändert sich dieFahrweise unter Drogeneinfluss und wie kann man feststellen, ob ein Mensch noch Autofahren kann? Das sind Fragen, die die Neuropsychologin Dr. Anja Knoche bei der BASt beschäftigen.

Die Geschichte der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) - im Volksmund „Idiotentest“ genannt - begann nach dem Ersten Weltkrieg, als weibliche Straßenbahnlenker auf ihre Reaktionen getestet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen dann kriegsversehrte Männern im Visier der Ärzte, deren fahrtauglich nicht mehr gewiss war. Der psychologische Faktor kam 1951 hinzu.

Seitdem wird die MPU ständig weiterentwickelt. Um die Einheitlichkeit der Begutachtung bundesweit zu garantieren, müssen alle Träger von Begutachtungsstellen (z.B. Dekra) zweimal jährlich an einem Erfahrungsaustausch in der BASt teilnehmen. „Egal, wo und von wem eine MPU durchgeführt wird, es sollte immer das gleiche Ergebnis herauskommen“, betont Dr. Knoche.

Nach wie vor ist Alkohol der Hauptgrund für eine Anordnung des Tests durch die Fahrerlaubnisbehörde, doch die Zahlen sinken. Stattdessen nehmen Untersuchungen wegen Drogen und Medikamenten zu. Diese Gruppe machte 2001 neun Prozent aus, 2004 waren es schon 15 Prozent. „Das heißt nicht, dass mehr Drogen konsumiert werden.“ Ein Grund für diese Verschiebungen könne an einem geänderten Augenmerk der Polizei liegen, nicht zuletzt auf Grund von einem Drogenerkennungsprogramm, das die BASt entwickelt hat. Und die Polizei sei inzwischen auch besser geschult, Drogenfahrer zu identifizieren, meint die Neuropsychologin.

Im Unterschied zu den Promillegrenzwerten für Alkohol orientiert man sich bei Drogen an analytischen Grenzwerten, die von der Grenzwertkommission, der Dr. Knoche ebenfalls angehört, empfohlen werden. In dem auf vier Jahren angesetzten EU-Forschungsprojekt „Druid“ (Driving under the infuence of drugs, alcohol and medicines), welches die BASt als Konsortialführer von 37 EU-Partnern leitet, sollen durch experimentelle und epidemiologische Untersuchungen Gefahrengrenzwerte für Drogen definiert werden.

Auch wer durch schwere Delikte abseits des Straßenverkehrs mit dem Gesetz in Konflikt kommt, kann zur MPU gebeten werden. „Wer zeigt, dass er sich nicht an Regeln hält, kann ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs sein.“ Schließlich entfällt ein sehr kleiner Anteil der MPU entfällt auf Menschen mit neurologischen Ausfällen. Ein typischer Fall: „Da beschweren sich etwa Kinder, dass sie ihren alzheimerkranken Vater in Paris abholen mussten, obwohl er doch nur kurz zu einem Kegelbruder fahren wollte.“

Entscheidend sei aber nur, ob eine Straßenverkehrsgefährdung bestehe. Nur wenige Länder verfügen über ein so ausgefeiltes System, wie es die deutsche MPU darstellt, weshalb Dr. Knoche darüber im März anlässlich eines Weltkongresses einen Vortrag in Saudi-Arabien hielt.

Dort wurde sie übrigens mit ganz anderen Verkehrsproblemen konfrontiert: Etwa einer Häufung von Kamelunfällen, woraufhin ähnlich wie bei uns die Krötentunnel, Kameltunnel in kleinen Abständen entlang der Landstrassen gebaut wurden. Auch die Sehschlitze der Burkas stellen ein für Europäer ungewohntes Sicherheitsrisiko für deren Trägerinnen dar.



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