Von ULI JANSEN, 15.01.07, 19:30h, aktualisiert 15.01.07, 19:31h
Rund 165 000 Menschen mit einer Schwerstbehinderung von mehr als 50 Prozent waren nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Dezember 2006 arbeitslos gemeldet, etwa 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch wie sieht deren Zukunft aus? Nicht allzu rosig, schätzen verschiedene Behinderten-Organisationen. „Es wird eher noch schwerer werden für Menschen mit einem Handikap, eine Stelle zu bekommen“, sagt Elke Baltz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen. Dieser Meinung ist auch Michael Müller, Vorstand des Vereins „Kein Handicap“: „Gerade der Mittelstand tut sich seit Jahren schwer damit, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen.“ Denn während in großen Konzernen langsam ein Umdenken erfolge, scheue sich der in Deutschland als Arbeitgeber mächtige Mittelstand - auch aus Angst, über den besonderen Kündigungsschutz auf ewig an den Mitarbeiter mit Behinderungen geknebelt sein. Dabei dürften diese - wie gesunde Mitarbeiter auch - beispielsweise in der Probezeit gekündigt werden.
In den letzten Jahren seien die Rechte der Arbeitgeber verstärkt worden, erklärt Müller. Er spricht von einem noch unerschlossenen Arbeitsmarkt mit viel Potenzial. An dieser Stellen kommen die Integrationsämter ins Spiel. In der Kölner Region ist es beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) angesiedelt. „Wir motivieren und unterstützen“, sagt Martina Krause vom LVR. Und helfen - auch finanziell - Arbeitgebern, eine Stelle passend zu machen. Denn eine Behinderung von mehr als 50 Prozent könne vieles bedeuten: ein Leben im Rollstuhl, Blindheit, oder auch eine überstandene Krebserkrankung. „Dies heißt jedoch nicht, dass die Menschen nicht leistungsfähig sind“, so Krause.
Genaue Zahlen über einen Arbeitsmarkt für Behinderte zu bekommen, gestaltet sich schwierig. Denn nur Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sind verpflichtet, fünf Prozent ihrer Stellen an Gehandikapte zu vergeben - oder einen Ausgleich zu bezahlen. Dieser lag 2004 bei insgesamt 75,2 Millionen Euro. Eine Summe, die Bund und Länder in die Förderung stecken, wie in das im Januar gestartete Projekt „Job 4000“, das 1000 neue Stellen und 500 neue Ausbildungsplätze für Behinderte schaffen soll.
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