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So bekommt Europa ein Gesicht

Erstellt 22.01.07, 22:34h

Meckenheim / Bonn - „Europa ist kompliziert und weit weg vom einzelnen Bürger.“ Mit Vorurteilen wie diesem gegenüber europäischen Institutionen räumten gestern im Meckenheimer Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) zwei Beamte der Europäischen Kommission auf.

MECKENHEIM / BONN. „Europa ist kompliziert und weit weg vom einzelnen Bürger.“ Mit Vorurteilen wie diesem gegenüber europäischen Institutionen räumten gestern im Meckenheimer Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) zwei Beamte der Europäischen Kommission auf, die selbst mit dieser Schule eng verbunden sind. Bettina Muscheid ist Ehemalige des KAG, ihr Kollege Lothar Gellert Vater eines Schülers. Wie rund 450 ihrer Kommissions-Kollegen waren beide am „EU-Projekttag“ unterwegs, um dort über Europa zu sprechen, wo sie selbst einmal die Schulbank gedrückt haben. Ganz in seinem Element war auch Michael Breuer, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten: Er besuchte die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel.

Initiative der

Bundeskanzlerin

Der „EU-Projekttag“ geht zurück auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft soll so genutzt werden, um Jugendlichen europäische Politik näher zu bringen. Rund 80 Schülern der Oberstufe stellten Lothar Gellert und Bettina Muscheid denn auch in Meckenheim die Europäische Union vor. Viele der Schüler aus den Jahrgangsstufen 9 bis 13 hatten sich schon vorher mit dem Staatenbund beschäftigt. „Für mich ist die Union durchaus ein Thema, weil ich Betriebswirtschaftslehre studieren möchte und die EU starken Einfluss auf die Wirtschaft nimmt“, sagte etwa Marco Fuchs. Auch für die Berufswahl sei ein Blick in die Nachbarländer hilfreich, einen Job bei der EU in Brüssel kann er sich allerdings nicht vorstellen: „Das Pendeln zwischen Brüssel und Meckenheim wäre nichts für mich.“ Francicso Schlöter begrüßt die Arbeit der Europäischen Union, „wenn sie auch in einigen Bereichen weit über das Ziel hinausschießt“. Er könnte sich vorstellen, dort zu arbeiten: „Das sind ja nicht die schlechtesten Jobs." Für Philipp Bücker ist die Außenpolitik der EU von Interesse, während René Braun den geplanten Beitritt der Türkei derzeit ablehnt, weil es dort noch die Todesstrafe gebe. David Ordolff findet es gut, dass die EU die Menschenrechte in allen Mitgliedsstaaten durchsetze. Eine große Erleichterung sei auch die einheitliche Währung mit dem Euro, findet Florian Spieß, „nicht nur für den Urlaub im Ausland, für den man kein Geld mehr tauschen muss“. Der gemeinsame Markt eröffne den Menschen in der EU große Möglichkeiten, pflichtete Max Mannweiler bei.

Die Lehrer Barbara Kremer-Mansel, Thomas Hahn und Ingeborg Hoffmann hatten ihre Grund- und Leistungskurse Geschichte und Erdkunde auf den „EU-Projekttag“ vorbereitet. Gespannt verfolgten sie alle die Informationen zur Europäischen Union und ihren Institutionen. „Dieser Ansatz ist wesentlich besser als Anzeigenkampagnen und Spielchen, bei denen nationale Politiker positive Entwicklungen nur als eigene Erfolge verkaufen und die Verantwortung für alles Negative der EU in die Schuhe schieben", befand Margot Wallström, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. Gellert und Muscheid lag viel daran, den Schülern die Auswirkungen von Brüsseler Entscheidungen auf das eigene Leben aufzuzeigen. „Mit uns bekommt Europa für euch ein Gesicht“, schmunzelte Gellert. „Dort arbeiten Menschen wie Du und ich."

Zugleich räumte er mit Vorurteilen auf wie „die EU ist ein aufgeblähter Beamtenapparat, mischt sich in alles ein, schafft aber nichts, und das Europäische Parlament ist nur eine Schwatzbude ohne Mitbestimmungsrecht". Dies seien die gängigsten Beispiele. Doch er machte klar, das sich heute bestimmte Ziele nicht mehr einzelstaatlich erreichen ließen, etwa Wohlstand und Frieden. An der Kampagne des Europarates „Alles anders, alles gleich“ hatten sich die Beueler Gesamtschüler für den „EU-Projekttag“ beteiligt. (jst / jr)



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