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„Ein Jahr nichts dazu gelernt”

Erstellt 17.11.06, 15:34h, aktualisiert 17.11.06, 21:18h

Die Bundesregierung stufte die jetzt aufgezeigten Mängel in den Schulen als "Besorgnis erregend" ein. Auch die Studie spricht von einem "dramatisches Ergebnis" mit Handlungsbedarf. Ab Klasse 10 wird kaum noch gelernt.

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Eine neue Pisa-Studie hat Lernzuwächse bei den Schülern ermittelt.
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Eine neue Pisa-Studie hat Lernzuwächse bei den Schülern ermittelt.
BERLIN - Der entscheidende Satz steht auf Seite 7 der Pisa-Nachfolgestudie: „Auf die Frage, was sie in einem Jahr Mathematikunterricht gelernt haben, müssten etwa 40 Prozent der Schüler mit ,nichts" antworten.“ Die Schüler wurden zwar versetzt, haben aber „weder die laut Lehrplan geforderten Kompetenzen entwickelt noch ihre mathematische Grundbildung ausgebaut“.

Dass deutsche Schüler hinter der internationalen Spitzengruppe hinterherhinken und dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung gibt, diese Erkenntnis musste die deutsche Öffentlichkeit beim ersten Pisa-Schock vor einigen Jahren zur Kenntnis nehmen. Nun, da für die Studie Pisa-1-Plus die gleichen Schüler binnen zwölf Monaten zweimal getestet wurden, kommt es noch schlimmer: Es zeigt sich, dass man sich vielfach den Mathe-Unterricht gleich komplett hätte sparen können.

Für die deutsche Sonderstudie wurden gut 4000 Schüler in 194 Klassen verschiedener Schulformen - ohne Hauptschule - am Ende des 10. Schuljahrs erneut in Mathe und Naturwissenschaften getestet. Die Zusatzstudie sollte über die Lernzuwächse der 15-Jährigen in einem Schuljahr informieren.

Weil es auch um die Bedingungen für das Lernen ging, mussten auch Eltern und Lehrer Fragen beantworten. Bei den Naturwissenschaften sieht es noch düsterer aus: Weniger als die Hälfte der Schüler konnte demnach im letzten Jahr der Sekundarstufe I deutlich von den Naturwissenschaften-Stunden profitieren. In der Studie heißt es wörtlich: „Bei 19 Prozent fallen die Leistungen auf der 10. Jahrgangsstufe sogar deutlich schlechter aus als auf der 9. Jahrgangsstufe.“

Zum Verständnis: Häufig werden einzelne naturwissenschaftliche Fächer nicht durchgängig unterrichtet. Aber auch dies reiche als Erklärung nicht aus, heißt es in der Studie weiter.

Die 20-seitige Studie liefert auch Antworten auf die Frage, warum die Lernerfolge so erschreckend sind: Der Unterricht sei „in hohem Maße lehrergeleitet und variationsarm“, heißt es. Individuelle Arbeitspläne, neuere didaktische Ansätze und erweiterte Lehr-Lernformen seien nicht die Regel. Offenbar kommt es auf das Elternhaus an: Bessere Leistungen werden in der Regel erzielt, wenn der Schüler zu Hause beim „Mathematiklernen und bei den Hausaufgaben Unterstützung findet“.

Dass Kinder aus sozial schwachen oder aus Zuwandererfamilien häufig schwache Leistungen bringen, war schon bei der ersten Pisa-Studie herausgekommen. Bei der Vergleichsstudie ging es auch darum, ob sich die beträchtlichen Kompetenzunterschiede im Laufe von Schulkarrieren vergrößern. Dies ist offenbar nicht der Fall.

Ausnahme sind die Naturwissenschaften: Beim Jahrgangsstufenvergleich hatte sich gezeigt, dass Kinder mit ausländischen Eltern Defizite schneller aufholen. In diesem Fall, so die Forscher, begünstige Mehrsprachigkeit im Elternhaus den Lernerfolg.



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