Erstellt 05.12.06, 17:07h
Nach den Vorschlägen Becksteins könnten Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden. Ministeriumssprecher Rainer Riedl sagte, in der Praxis müsse es allerdings Differenzierungsmöglichkeiten geben. "Wer gewerbsmäßig die übelsten Killerspiele auf den Markt bringt, wird sicherlich anders bestraft werden, als jemand, der so ein Spiel von einem Freund ausgeliehen hat." Zuvor hatte "Spiegel online" über die bayerischen Pläne berichtet.
Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) unterstützte die Initiative der beiden Länder. "Als Signal ist dies zu begrüßen", sagte er der dpa. Allerdings seien auch die Eltern selbst gefordert, sich dafür zu interessieren, was in den Kinderzimmern läuft. Und sie müssten auch mal den Mut haben, beim Fernseher oder PC den Stecker zu ziehen."
Beckstein sagte dem Nachrichtensender "N24", es könne überhaupt nicht ernsthaft bestritten werden, dass solche Killerspiele eine gegenüber Gewalt abstumpfende und für bestimmte labile Charaktere auch eine stimulierende Wirkung hätten. "Wir können uns nicht nur einfach darüber aufregen und darüber philosophieren, dass leider die Gewalt gerade bei jungen Leuten massiv zunimmt (...) und das Einüben von Gewalt in menschenverachtenden Killerspielen dann ermöglichen."
Bei dem Kölner Medienpädagogen Professor Wolfgang Kaminski stieß der Vorstoß Becksteins auf Skepsis. "Wir können in einer demokratischen Gesellschaft nicht, wenn Dinge einer Gruppe von Menschen nicht passen, alles verbieten", sagte Kaminski im "ZDF-Mittagsmagazin". Auch sei das viel diskutierte Computerspiel "Counterstrike" nicht mehr als "Räuber und Gendarm auf dem Bildschirm". Dass da virtuell geschossen werde "ist nicht viel anders als das, was uns "Casino Royal" und James Bond aktuell auf der Leinwand zeigen", meinte der Wissenschaftler.
Nach dem Amoklauf im westfälischen Emsdetten vor rund zwei Wochen hatten mehrere Länder - darunter Bayern - eine Bundesratsinitiative für ein Verbot von Killerspielen angekündigt. "Über das Ziel herrscht viel Einigkeit", sagte Ministeriumssprecher Riedl. Aus verfassungsrechtlichen Gründen sei die Umsetzung im Detail aber nicht leicht. "Mit der Konkretisierung ist Bayern einen Schritt weiter gegangen." Becksteins Vorschläge könnten als Grundlage für einen "wasserdichten" Gesetzesentwurf dienen. "Der Diskussionsvorschlag ist so angelegt, dass man im Detail darüber reden kann." Die Bundesratsinitiative solle Anfang 2007 auf den Weg gebracht werden. "Wir wollen nicht, dass man das Thema auf die lange Bank schiebt." (dpa)
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