Erstellt 13.12.06, 11:31h
Tobias Forschner vom Hauttumorzentrum der Charité in Berlin sieht diesen Trend mit Sorge. "Gerade während meiner Notdienste kommen junge Menschen zu uns, die sich bei einem Besuch im Solarium schwer verbrannt haben", sagt er. Während in diesen Fällen eine Behandlung mit Salben und Cremes bereits Linderung verschaffen kann, sind die Langzeitwirkungen exzessiver Solariengänge weitaus gefährlicher.
"Das Hautkrebsrisiko ist bei Sonnenbank-Fanatikern vielfach höher", weiß der Mediziner. Experten unterscheiden dabei zwischen hellem und schwarzen Hautkrebs. Schwarzer Hautkrebs mache sich vor allem durch dunkler werdende Leberflecke bemerkbar und könne sogar zum Tod führen, warnt der Arzt.
"Etwa acht Solariumsbesuche im Jahr für maximal je 20 Minuten sind gerade noch okay, aber mehr sollten es nicht sein", sagt Anne Hundgeburth vom Bundesverband der Dermatologen in Euskirchen bei Köln. Junge Menschen unter 18 Jahren sollten das Solarium aber generell meiden, weil ihre Haut noch keinen Eigenschutz gegen die Strahlung gebildet hat.
Und sobald die Besuche regelmäßig werden, besteht Suchtgefahr, sagt die Psychologin Constanze Fakih aus Berlin. "Die Jugendlichen bekommen dann schnell das Gefühl, sie müssen es tun. Ihr Wohlbefinden hängt sogar schon davon ab."
Fakih rät den Jungs und Mädchen, sich klar zu machen, dass Schönheit relativ ist: "Was heute noch als schick gilt, ist morgen schon wieder nicht mehr in." Das betreffe die ständig wechselnden Modestile genauso wie den Trend zur gebräunten oder blassen Haut. "Deshalb kann es auch schon ein heilsamer Schock sein, sich andere braungebrutzelte Leute auf der Straße anzusehen, die sich durch das exzessive Sonnen oft schon tiefe Hautfalten erworben haben."
Geht es einfach nicht mehr ohne Solarium, können sich die jungen Menschen auch Tipps bei einer Gesundheitsberatung holen. "Die geschulten Mitarbeiter dort helfen ihnen, erstmal Distanz zu ihrer Sucht zu schaffen", erklärt die Psychologin. Adressen von Gesundheitsberatungen speziell für junge Leute gibt es bei Allgemeinärzten oder in Jugendtreffs.
Leopold Bergmann von Bundesverband Solarien und Besonnung in Endingen bei Pforzheim rät den Fans gebräunter Haut, auf die Qualität ihres Sonnenstudios zu achten. "In einem guten Solarium erhält jeder Kunde eine ausgiebige Beratung, dazu eine Hautanalyse und einen Besonnungsplan." Ein weiterer Anhaltspunkt sind Zertifizierungen. So stellt zum Beispiel das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ein Prüfsiegel für Betriebe aus, die bestimmte Anforderungen an Geräte, die Qualifikation des Personals, Beratung und Hygiene erfüllen.
Am gesündesten ist es aber schließlich doch, die Sonnenbank links liegen zu lassen. "Das wohlige Gefühl, dass durch den Gang ins Solarium ausgelöst wird, kann auch auf wesentlich gesündere Weise hergestellt werden. Bei einer entspannenden Massage oder einem Saunabesuch zum Beispiel", sagt Anna Hundgeburth.
(dpa)
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