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Mixa: „Frauen als Gebärmaschine”

Erstellt 23.02.07, 10:29h, aktualisiert 25.02.07, 13:49h

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seine umstrittene Kritik an der Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bekräftigt. Bereits am Donnerstag nannte er die Familienpolitik der Bundesregierung "kinderfeindlich und ideologisch verblendet".

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Mit gefalteten Händen steht der Augsburger Bischof Walter Mixa während seiner Amtseinführung im Altarraum des Domes von Augsburg.
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Mit gefalteten Händen steht der Augsburger Bischof Walter Mixa während seiner Amtseinführung im Altarraum des Domes von Augsburg.
Berlin - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seine umstrittene Kritik an der Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekräftigt. Er forderte am Freitag im Sender N24 eine bessere finanzielle Förderung der Erziehungstätigkeit junger Mütter. "86 Prozent der Mütter in unserer Bundesrepublik Deutschland erziehen ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren selber und tun das sehr gerne. Und diese Frauen und Mütter verdienen eine große Anerkennung und ein großes Lob. Wir brauchen eine familiengerechte Politik, und nicht eine arbeitsgerechte Familienpolitik", sagte Mixa.

Es müsse überlegt werden, Frauen "eine größere Unterstützung in Form des Kindergeldes zu geben und ihre Erziehungstätigkeit später für die Rente anzurechnen". Mixa hatte die Vorstellungen von der Leyens zur Kinderbetreuung am Donnerstag als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" kritisiert und davon gesprochen, dass die Frau zur "Gebärmaschine" degradiert werde. Auf die Kritik an seinen Äußerungen reagiert Mixa gelassen: "Hier habe ich eben eine andere Meinung (...). Es seien "auch sehr viele positive und unterstützende Aussagen über meine Stellungnahme zu diesem Thema gekommen".

Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), wies die Vorwürfe des Bischofs im ARD-"Morgenmagazin" zurück. "Die Zeit, dass man Frauen ein schlechtes Gewissen einredet, muss endgültig vorbei sein. Wir brauchen die Unterstützung für Familien." Die Realität sehe so aus, dass in den westdeutschen Flächenstaaten nur 2,4 Prozent Krippenplätze zur Verfügung gestellt würden. "Da kann man nicht von Wahlfreiheit sprechen. Und deshalb ist es so wichtig, die Kinderbetreuung auszubauen."

Der katholische Bischof von Augsburg, Walter Mixa, hatte die Familienpolitik der Bundesregierung bereits am Donnerstag als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" kritisiert und damit Entrüstung ausgelöst. Mixa sagte, wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte dagegen die Pläne zum Ausbau der Krippenplätze vehement auch gegen Kritik aus CDU und CSU.

Bischof Mixa kritisierte insbesondere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Ihre geplanten Maßnahmen seien "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert". Die Politik von der Leyens sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren".

Von der Leyen beabsichtigt, die Zahl der Krippenplätze bis zum Jahr 2013 auf rund 750 000 zu verdreifachen und damit für ein Drittel der Kinder anzubieten. Mixa kritisierte, dass das Familienministerium andere Leistungen kürzen wolle, um neue Einrichtungen zur Kinderbetreuung zu finanzieren. Die Denkmuster erinnerten an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der DDR, sagte der Bischof weiter. Die Doppelverdiener-Ehe werde geradezu zu einem "ideologischen Fetisch" erhoben.

Merkel verteidigte die Pläne als einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Frauen. "Freiheit der Wahl setzt die Möglichkeit der Wahl voraus", sagte die CDU-Vorsitzende auf einem entwicklungspolitischen Kongress in Berlin.

Die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, nannte Mixas Äußerungen "nicht hinnehmbar". Die SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl wies die Äußerungen ebenfalls zurück. "Ich halte das für eine Ideologie der 60er Jahre", sagte sie der "Netzeitung.de".

Grünen-Chefin Claudia Roth warf dem Bischof vor, einen "Kreuzzug" gegen ein besseres Angebot bei Kinderbetreuungseinrichtungen zu führen. Sie warf ihm vor, zu wenig von der Lebensrealität der Menschen zu wissen, "für die er eigentlich Glaubenshirte sein soll", sagte Roth der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag).

Der CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Joachim Herrmann, widersprach Mixa und wies "Schwarz-Weiß-Malerei" zurück. Es sei unfair und falsch, berufstätigen Frauen die Sorge um ihre Kinder abzusprechen. Rosemarie Hein, Vorstandsmitglied der Linkspartei sprach von einem "Griff in die Mottenkiste". Mixas Äußerungen machten deutlich, gegen welche überholten Denkweisen und alten Rollenbilder Frauen im 21. Jahrhundert immer noch ankämpfen müssten.

Der Berliner Erzbischof, Georg Kardinal Sterzinsky, forderte: "Wer Krippenplätze finanziell fördert, muss auch Eltern, die um der Kinder willen auf Erwerbstätigkeit verzichten, angemessen fördern." Neben der finanziellen Förderung bedeute dies auch, herauszustellen, welche Vorteile und positive Auswirkungen die häusliche Betreuung durch die Eltern für die Kinder habe.

(dpa)



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