Von BETTINA APEL, 04.04.07, 21:23h
Dieser Job ist ebenso interessant wie anspruchsvoll, und ohne vollen Einsatz geht gar nichts. Optimale Voraussetzung ist, zweisprachig aufgewachsen zu sein. Wer diesen Vorteil nicht hat, muss das mit einem längeren Auslandsaufenthalt auszugleichen versuchen. Schließlich soll Dolmetschen simultan und spontan stattfinden.
„Ein guter Konferenzdolmetscher darf nicht über die Sprache nachdenken müssen, sondern nur über Gesprächsinhalte.“ Klaus Ziegler, Nachwuchs-Referent der Region Deutschland im Internationalen Verband der Konferenzdolmetscher (aiic), weiß, wovon er spricht: Seit 1992 übt er diesen Beruf aus. Er betrachtet es als großes Glück, dass er von der ersten Woche an davon leben konnte, denn er weiß von vielen Kollegen, deren Weg weitaus steiniger ist. Sein Startkapital war seine Zweisprachigkeit; neben seiner zweiten Muttersprache Spanisch wählte er Französisch als weiteren Schwerpunkt. Dies vertiefte er zusätzlich mit einem Auslandssemester in Belgien.
Gute Nerven müssen Konferenzdolmetscher allemal mitbringen, „sonst stößt man schnell an seine Grenzen“, weiß Ziegler. Eine gewisse Neugier und umfangreiches Allgemeinwissen sind unentbehrlich; schließlich kann die Bandbreite innerhalb weniger Tage erheblich schwanken. In unterschiedlichste Fachgebiete muss man sich gut einarbeiten können, und zwar in kürzester Zeit.
Dolmetscher ist kein geschützter Beruf, daher gibt es keine vorgeschriebenen Zugangsvoraussetzungen. Trotzdem geht es kaum ohne Studium, denn sonst sind die Möglichkeiten eher begrenzt, so Ziegler. Schließlich müsse man das nötige Rüstzeug erlangen und spezielle Techniken erlernen, um im Alltag zu bestehen. Neben der Muttersprache benötigt man mindestens zwei weitere, um Fuß fassen zu können. Optimal ist, darüber hinaus noch in anderen Sprachen passives Dolmetschen zu beherrschen. Dies bedeutet das Übersetzen einer Fremdsprache in die Muttersprache, was immer einfacher ist als umgekehrt.
Neben Diplom-Studiengängen an Universitäten gibt es auch Masters-Studiengänge an Instituten. Viele absolvieren erst ein Studium in ihrem Grundfach (Jura, Medizin) und hängen dann einen intensiven Sprachstudiengang an.
In Köln ist die Ausbildung auch an der Fachhochschule möglich. Dann ist kein Abitur nötig, aber die Bewerber haben es schwerer am hart umkämpften Markt. Der Erfolg hängt stark davon ab, wie man den Zugang findet. Da spielt manchmal schlicht auch Kollege Zufall eine Rolle. Ein zweites Standbein ist nicht nur in der Anfangsphase unentbehrlich, sondern auch bei Durststrecken, die sogar nach Jahren der Berufstätigkeit auftreten können - wenn ein Stammkunde wegfällt, reicht das mitunter schon.
Dieses zweite Standbein ist für viele das Übersetzen. So ist es auch bei Klaus Ziegler, der gleichwohl großen Wert auf die säuberliche Trennung zwischen diesen beiden Tätigkeiten legt. Oft geschieht das nicht; da werden Dolmetscher und Übersetzer gerne in einen Topf geworfen. Und das, obwohl auf der Hand liegt, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen dem Arbeiten am Schreibtisch und dem Simultan-Dolmetschen in Stress-Situationen besteht.
Ob TV-Sendung, Staatsbesuch oder offizielles Abendessen eines Unternehmens - die Anforderungen sind ebenso hoch wie speziell. Ziegler vergleicht die Tätigkeit gerne mit der eines Fluglotsen: Konzentriert, schnell und präzise müsse man sein. Im Köln-Bonner Raum lässt sich die Nähe zu Belgien und Brüssel nutzen, wo sich gute Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Der Verband aiic steht mit Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung, um Neulingen den Einstieg zu erleichtern. Wer Durchhaltevermögen, Eigeninitiative und Flexibilität mitbringt, hat nach Zieglers Einschätzung gute Chancen: „Für qualitativ gute Verdolmetschung ist sicher ein Markt da, auch wenn er in den letzten Jahren enger geworden ist."
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
22. April 2012,
E-Werk Köln
Anzeige