Von MARTIN SAUERBORN, 19.04.07, 21:16h, aktualisiert 19.04.07, 21:21h
Keine Frage, die Entscheidung ist Luciano „sehr schwer gefallen“ und natürlich hat auch die Familie „eine entscheidende Rolle“ gespielt. „Ich bin hierher gekommen, um die Mannschaft in die erste Liga zu bringen. Die Ziele, die ich mir gesetzt habe, habe ich nicht erreicht“ erklärte der Spieler. Er befindet sich mit dieser Selbsterkenntnis in illustrer Gesellschaft, was auch seine nächste Aussage beweist: „Ich habe es nicht geschafft, so gut zu spielen, wie ich es kann. Jetzt kann der Verein mein Gehalt sparen.“
Ein schwacher Trost für den FC und seinen Trainer Christoph Daum, der gar keinen Hehl daraus machen wollte, dass der Abgang seines ehemaligen Weggefährten bei Fenerbahce Istanbul ihn arg getroffen hat. Zumal er sich in der Winterpause persönlich für die Verpflichtung des Familienvaters eingesetzt hatte. „Er ist aktuell und auch für die Zukunft ein Verlust. Ich hätte ihn gerne länger bei uns gesehen.“ Doch selbst ein Mann wie Daum konnte den Brasilianer nicht von seinem Vorhaben abbringen: „Man redet da wochenlang gegen einen feststehenden Entschluss. Für Argumente hier zu bleiben, war er nicht empfänglich. Und gezwungen wird hier niemand.“ Die nahe liegende Bezeichnung Söldner aber wollte der leidgeprüfte Coach nicht in den Mund nehmen. Er nannte Luciano lieber „Teilzeitkraft“.
Für Daum bedeutet Lucianos Entscheidung nicht nur, dass er heute in der Allianz Arena mit Alpay und Aleks Mitreski für die Innenverteidigung planen muss, sondern auch, dass er nach Lukas Sinkiewicz und wahrscheinlich Serhat eine weitere Korsettstange seines Kaders für die kommende Saison verloren hat. „Jedes Ende ist auch ein Neubeginn. Um es mal positiv zu sehen. Wir haben jetzt klare Fakten, finanziell wieder Handlungsspielraum und können konkret planen“, sagte der Chefausbilder.
Planungen, von denen offenbar auch die Zukunft Daums beim FC abhängt. Denn bekanntlich besitzt der Trainer Ausstiegsklauseln aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag. So muss etwa eine festgeschriebene Summe für Neuverpflichtungen ausgegeben werden. „Wir brauchen zwei, drei Neuzugänge von hoher Qualität und wollen nicht zu sehr in die Breite investieren. Dann steigern sich auch die anderen Spieler. Wir wollen ein Team, das nächste Saison oben mitspielen kann“, forderte der 54-Jährige. Um hinterher zu schicken: „Wenn ein Rädchen ins andere greift, dann werde ich ein Teil dieses 1. FC Köln sein.“
Voraussichtliche Aufstellungen: 1860 München: Hofmann, Ghvinianidze, Hoffmann, Berhalter, Schäfer, Bender, Schwarz, Vucicevic, Baier, Milchraum, Göktan. - 1. FC Köln: Wessels, Schöneberg, Alpay, Mitreski, Johnsen, Matip, Gambino, Cabanas, Ehret, Helmes, Novakovic. - SR: Frank (Hannover).
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