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Schere zwischen Arm und Reich

Von WILFRIED GOEBELS, 09.05.07, 19:26h, aktualisiert 10.05.07, 11:14h

In NRW klafft die Schere immer weiter auseinander. 2,57 Millionen Menschen leben unterhalb der statistischen Armutsgrenze von 615 Euro brutto. Dagegen wuchs das Vermögen der reichen Haushalte um 19 Prozent an.

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In der Suppenküche: Der Anteil der Einkommensarmen stieg auf 14,3 Prozent.
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In der Suppenküche: Der Anteil der Einkommensarmen stieg auf 14,3 Prozent.
DÜSSELDORF. In NRW klafft die Schere zwischen Armen und Reichen weiter auseinander. Während die Finanzämter 460 000 Steuerfälle mit einem Jahresbrutto-Einkommen von mehr als 80 000 Euro melden, liegen 2,57 Millionen Menschen unterhalb der statistischen Armutsgrenze von 615 Euro brutto pro Erwachsenen im Monat. Das weist der jüngste Landessozialbericht 2007 aus. In den letzten neun Jahren stiegen die Vermögen der „reichen Haushalte“ in NRW um 17 Prozent auf 434 000 Euro im Schnitt - die nicht reichen Haushalte büßten nach Angaben von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann 2,5 Prozent ein.

Aber was ist arm? Als einkommensarm oder armutsgefährdet gilt, wer im Schnitt ein Einkommen von weniger als 615 Euro brutto im Monat hat - also weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Monatseinkommens von 1229 Euro brutto im Monat. Für besonders alarmierend hält es Laumann, dass bereits bei jedem sechsten Vollzeitarbeitnehmer mit minderjährigen Kindern das Einkommen nicht ausreicht, um dem Armutsrisiko zu entgehen. Fast jedes vierte Kind in NRW ist dabei von Armut bedroht, dies sind 815 000 Kinder und Jugendliche. Dabei steigt das Armutsrisiko nach Angaben des Sozialministers mit der Kinderzahl. Eine Familie mit einem Kind gilt bei 1353 Euro im Monat als arm, bei zwei Kindern mit 1661 Euro, bei drei Kindern mit 1968 Euro und mit vier Kindern mit 2276 Euro.

Laumann betonte, dass der Anteil der Einkommensarmen zwischen 2000 und 2005 um 0,6 auf 14,3 Prozent gestiegen sei. Dabei seien die Lebensverhältnisse besonders für Kinder, Migranten, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Menschen mit fehlenden Schul- und Berufsabschlüssen schwieriger geworden.

Durch niedrige Löhne vor allem im Dienstleistungssektor drohe zudem eine massenhafte Altersarmut. Wer einen Stundenlohn von sechs Euro kassiere, erwerbe pro Jahr gerade 14 Euro Rentenanspruch und muss 43 Jahre arbeiten, um später die Grundsicherung von 625 Euro zu erhalten.

Hier will der Sozialpolitiker Laumann in der Rentendebatte auf Bundesebene politisch verstärkt ansetzen. „Ich will, dass jemand, der 43 Jahre gearbeitet hat, im Alter nicht von Grundsicherung leben muss.“ Einen möglichen Weg sieht Laumann in der Verlängerung der Rentenberechnung nach Mindesteinkommen.

Zwei Kernbotschaften weist der „Armuts- und Reichtumsbericht“ aus:

1. Familien mit vielen Kindern tragen ein hohes Armutsrisiko.

2. Je geringer der Bildungsabschluss, desto höher das Armutsrisiko.

„Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein“, klagt Laumann. Deshalb sei der bis 2010 geplante Ausbau des Betreuungsangebots für unter Dreijährige von heute 2,8 Prozent auf 20 Prozent ein wichtiger Schritt. „So kann Familienarbeit besser mit Erwerbsarbeit kombiniert werden.“ Sorge bereitet dem Minister auch der hohe Anteil von einkommensschwachen Zuwandererfamilien. Ursache: Rund 19 Prozent der Zuwanderer sind arbeitslos, sogar über 25 Prozent der Türken. Deshalb leben 43 Prozent der Migrantenkinder in schwieriger finanzieller Lage.

Sprachförderung, bessere Schulbildung, Lehre, Beruf - so will der Sozialpolitiker den „Teufelskreis“ in Zukunft durchbrechen. „Aktive Armutsbekämpfung ist, das Schulsystem auf Vordermann zu bringen“, glaubt Laumann.

Eine wichtige Stellschraube im Kampf gegen die Armut sieht der Minister in einer höheren Erwerbsbeteiligung. Inzwischen sind zwei Drittel der Mütter von unter Zwölfjährigen berufstätig - vor elf Jahren betrug die Quote gerade 51 Prozent. Nicht nur für Alleinerziehende ist der Ausbau der Betreuungsangebote also unverzichtbar, damit die Einkommen in der Familie und die späteren Renten steigen.



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