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Rechtsradikaler Szene Kampf angesagt

Von DIETER WOLF, 12.06.07, 20:55h, aktualisiert 16.07.07, 17:05h

Pulheim - Der Rechtsextremismus stellt in Deutschland laut Verfassungsschutzbericht ein wachsendes Problem dar. Auch in Pulheim werden die Aktivitäten einer rechtsradikalen Gruppe junger Leute mit Sorge beobachtet.

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Pulheimer setzen sich gegen Rechtsradikale zur Wehr.
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Pulheimer setzen sich gegen Rechtsradikale zur Wehr.
PULHEIM.Mehrfach machte Pulheim in Zusammenhang mit Rechtsextremismus Schlagzeilen. Grund: Axel Reitz, einer der seit Jahren aktivsten Vertreter der deutschen Neonazi-Szene, stammt aus Pulheim. Die 24-jährige Leitfigur der „Freien Kameradschaft“ und des „Kampfbundes Deutscher Sozialisten“ verbüßt seit Juli 2006 eine 33-monatige Haftstrafe in der JVA Rheinbach unter anderem wegen Volksverhetzung. Auch ein Schießsportverein in Pulheim kam ins Gerede. In ihm sollen sich Neonazis tummeln, um mit scharfen Waffen zu trainieren.

Im Herbst 2005 tauchten erstmals massiv Aufkleber und gesprühte Parolen mit rechtsradikalem Inhalt in Pulheim auf. Ihr Absender: Eine Gruppe, die sich ANP nennt, „Autonome Nationalisten Pulheim“. Vornehmlich an stark frequentierten Orten wie am Bahnhof Pulheim, dem Jugendzentrum Pogo oder im Umkreis der Moschee tauchten Sprüche wie „Pulheim bleibt braun“ oder „Schluss mit Multikulti“ auf.

Die örtliche Polizei schien die Sache zunächst nicht ganz ernst zu nehmen. Aufmerksame Jugendliche am Geschwister-Scholl-Gymnasium alarmierten immer wieder die Behörden. Die Staatsschutzabteilung der Kölner Kripo wurde schließlich tätig. Nach ihren Erkenntnissen ist die Gruppe klein, ihr Durchschnittsalter jung. Eine direkte Verbindung zur Person Axel Reitz sei allerdings nicht erkennbar, heißt es. Immerhin ist aber der Spruch „Reitz for President“ in Pulheim aufgetaucht. „Die ANP betrachtet Reitz sicher als ihre Galionsfigur, er ist möglicherweise gar die Triebfeder ihrer Handlungen, doch eine direkte Zusammenarbeit ist nicht erkennbar“, heißt es aus Köln. Die örtliche Polizei habe, so wird eingeräumt, dem Ganzen zunächst „wenig Bedeutung“ beigemessen. Erst als sich die zuständige Abteilung für Rechtsextremismus der Kölner Kripo eingeschaltet hat, gibt es „Fallzahlen“.

Insgesamt wurden bislang 35 Straftaten, wie zum Beispiel Sachbeschädigung, Bedrohung und das Verwenden von Nazi-Symbolen, aktenkundig. Acht Straftaten seien der ANP zuzuordnen, beziehungsweise von ihr gezeichnet. Gewaltanwendungen sind bislang nicht vorgekommen. Allerdings: Der engagierte Schülersprecher des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Roman Nickel wurde mit einer Schmiererei vor seinem Elternhaus offen bedroht.

Viel weiß man indes nicht über die Gruppe. Die Polizei geht von „Einzelpersonen“ ohne Organisationsstruktur aus. Von einer tatsächlichen Bedrohung gehe man nicht aus. Alle Jugendlichen würden beobachtet. Eine Reihe von Gesprächen wurden mit ihnen bereits im Beisein der Eltern geführt. Das besorgt die Abteilung STEP („Staatsschutz gegen Extremismus durch Prävention“) der Kölner Kripo. „Wer keine Einsicht zu erkennen gibt“, so die Polizei, „dessen Akte wird nicht geschlossen.“

Auch das Jugendamt Pulheim beobachtet die Aktivitäten von ANP mit Sorge. Beigeordneter Florian Herpel versichert, man sei in ständigem Kontakt mit den Schulen, Jugendeinrichtungen und Sportvereinen. Das Ordnungsamt sei angewiesen, sofort alle Aufkleber und Schmierereien zu entfernen.

Bürgermeister Karl August Morisse nimmt die Sache ebenfalls sehr ernst. Er sei beunruhigt über die Aktivitäten der „offensichtlich kleinen Gruppe Irregeleiteter“. Positiv sei das Engagement der Schüler: „Ich freue mich, dass die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums diese Aktivitäten nicht gleichgültig hinnehmen, sondern sich zusammen mit den Lehrern aktiv gegen sie wehren“, lobt der Bürgermeister.



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