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Sexualität ist nicht spielentscheidend

Von JAN WÖRDENWEBER, 20.06.07, 07:19h

Dem Klischee vom zierlichen, mehr tänzelnden als laufenden Sportsfreund, der in der Halbzeitpause sein Make-up auffrischt, entspricht Andreas Stiene kein bisschen. Der 42-Jährige...

Dem Klischee vom zierlichen, mehr tänzelnden als laufenden Sportsfreund, der in der Halbzeitpause sein Make-up auffrischt, entspricht Andreas Stiene kein bisschen. Der 42-Jährige ist ein Hüne. Einer, der Wind und Wetter trotzt, für den „wichtig aufm Platz ist“. Ein leidenschaftlicher Fußballer, der grätscht und ackert - und schwul ist.

Als Gründer und Organisator des Fußball-Benefiz-Turniers „Come-Together-Cup“, das seit 1995 jährlich auf den Jahnwiesen ausgetragen wird, hat Stiene großen Anteil daran, dass Vorurteile abgebaut werden und Sexualität eben nicht als spielentscheidend angesehen wird. Mittlerweile kämpfen 30 Herren- und 20 Damen-Teams um Tore, Punkte, Pokalgewinn - egal ob hetero oder homo. Zahlreiche Medienteams, darunter auch die Kölnische Rundschau, Behörden wie die Kölner Polizei, die Bürgergarde blau-gold oder NetCologne spielen und feiern. Das Motto in diesem Jahr lautete: „Gemeinsamer gehts nicht.“ 18 000 Besucher tummelten sich auf den Jahnwiesen; die Paveier läuteten stimmungsvoll die „3. Halbzeit“ ein (wir berichteten).

Andreas Stiene hat den Come-Together-Cup mittlerweile auch in anderen Städten ins Leben gerufen. Ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement wird ebenso in Essen und Berlin für den guten Zweck gekickt. In Köln waren an Fronleichnam allein 120 Freiwillige im Einsatz, verkauften Kuchen oder waren als Schiedsrichter aktiv.

„Schwul zu sein ist kein Makel, aber auch keine Qualifikation“, sagt Andreas Stiene und kritisiert die Selbstinszenierung mancher Homosexueller, die ausschließlich in ihrer eigenen „Community“ leben. Durch den Sport will der Makler für Gewerbeimmobilien alle Gruppen und Minderheitenteams integrieren. Einen Mitstreiter fand er damals in dem ehemaligen Regierungspräsidenten Jürgen Roters, der sich von der Idee begeistert zeigte und seitdem Jahr für Jahr Schirmherr der Veranstaltung ist.

1992 kam der einstige Landesliga-Fußballer der ESG 99 / 06, wo einst Oliver Bierhoff kickte, von Essen nach Köln. Seinen Job bei der Polizei hatte er gekündigt, da seine berufliche Karriere ins Stocken geraten war. „Als Schwuler bekam ich keine Sozialpunkte wie andere Kollegen, die heirateten und Kinder bekamen“, erzählt Stiene. Nachdem er sich in Köln dem „Cream Team Cologne“ angeschlossen hatte, organisierte er ein Freundschaftsspiel gegen die Kölner Polizei. „Das war mit Sicherheit das weltweit erste Spiel zwischen Schwulen und Polizisten“, blickt Stiene zurück. Zudem war es die Initialzündung für den Come-Together-Cup.

Die Fußball-Begeisterung, die familiäre Atmosphäre und ein Prominenten-Spiel mit bekannten Gesichtern wie Jean Pütz oder Marie-Luise Nikuta zieht immer mehr Fans in den Bann, die dem Veranstalter in diesem Jahr einen Benefiz-Erlös von deutlich über 10 000 Euro beschert haben. Davon gehen 80 Prozent an das Beratungszentrum „Rubicom“ für Schwule und Lesben, der Rest an das Jugendzentrum „anyway“. Dass es Andreas Stiene so weit gebracht hat, will er gar nicht lesen. Viel wichtiger ist ihm, dass noch drei Leute erwähnt werden. Jürgen Roters, sein Chef Michael Kloos und Cream-Team-Gründer Rolf Emmerich. „Ich bin glücklich, diese Leute kennen gelernt zu haben.“



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