Von JAN WÖRDENWEBER, 22.06.07, 19:32h
Heute gelten Pearl Jam als einzige Überlebende des Grunge, nicht nur weil Kurt Cobain mit seiner Schrotflinte sich selbst und seiner Band Nirvana ein Ende setzte. Doch nur selten hat die Gruppe zuletzt nach Deutschland gefunden. Umso größer ist der Jubel, als Eddie Vedder mit Holzfällerhemd und Peace-T-Shirt um 21.30 Uhr vor die rund 11 000 Fans tritt. In den darauf folgenden gut zwei Stunden entwickelt sich eines der besten Pearl-Jam-Konzerte überhaupt. Das liegt in erster Linie an der ausgelassenen Spielfreude der Band. Vor allem Eddie Vedder ist gut drauf, was nicht nur an der Weinflasche liegt, die seiner energischen und eindringlichen Stimme keinen Schaden zufügt.
„Entschuldigung, dass wir kein Deutsch können. Aber anstatt in die Schule zu gehen, haben wir immer nur Musik gemacht“, begrüßt der 42-Jährige seine Zuhörer, die der Band stets die Treue gehalten haben. Auch in Zeiten, als die Musiker nicht wussten, wie sie mit dem Erfolg umgehen sollten und sich deshalb komplett zurückzogen. Lange gab es keine Musikvideos mehr, neue Platten wurden ohne Promotionrummel herausgebracht. Vielleicht rührt daher auch, dass die bislang erfolgreichste Nummer der Band hier nicht gespielt wird: „Jeremy“ - ausgezeichnet mit vier MTV-Video-Music-Awards. Ansonsten lässt die Setlist kaum einen Wunsch offen. Songs wie „Daughter“, „Why go“ und „Once“ vom Debüt-Album „Ten“ werden euphorisch gefeiert. Auch ruhigere Momente kommen nicht zu kurz, etwa beim Walzer „I am Mine“.
Pearl Jams druckvoller und roher Rock leidet nur am schwammigen Sound im ISS Dome. In den hinteren Reihen kommt nur noch Geschrammel an. Vorne dagegen ist alles bestens, vor allem als Vedder einen Fan auf die Bühne holt, „weil ich noch nie einem Düsseldorfer begegnet bin“. Der junge Mann trägt ein T-Shirt der Punk-Legende „Ramones“. Pearl Jam spielen daraufhin den Ramones-Klassiker „I believe in Miracles“; dabei liegen sich Vedder und Fan in den Armen. Ein wahres Wunder.
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22. April 2012,
E-Werk Köln