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Problembär nun auch in Frankreich

Von PETER HEUSCH, 04.07.07, 20:33h

Die Dame versteht es, sich trotz ihrer 110 Kilo völlig lautlos zu bewegen. "Franska" riss bereits mehr als 50 Schafe. Der Tierarzt urteilt: Dem slowakischen Braunbärenweibchen fehlt einfach ein Männchen.

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Nun hat man mit "Franska" auch Frankreich einen Bären aufgebrummt.
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Nun hat man mit "Franska" auch Frankreich einen Bären aufgebrummt.
PARIS. Die Dame versteht es, sich trotz ihrer 110 Kilo völlig lautlos zu bewegen. Im Schutze der Dunkelheit schleicht sie sich an und bricht ihrem Opfer mit einem einzigen Prankenschlag das Rückrat.

Seit sie aus ihrem Winterschlaf erwacht ist, soll „Franska“, ein aus Slowenien stammendes Braunbärenweibchen, schon mehr als 50 Schafe gerissen haben. Franska ist eine von fünf Bären, die im Frühjahr 2006 in den französischen Pyrenäen ausgesetzt wurden. Schon damals kam es zu wilden Protesten der Bergbauern. Ein regelrechter „Bärenkrieg“, den Franska nach 14 Monaten Waffenstillstand nun wieder anzufachen droht. „Jede Koexistenz mit so einer blutrünstigen Bestie ist unvorstellbar“, schimpft Jacques Lannes. Dem Schäfer hat die Bärin in einer Nacht gleich vier Schafe getötet. Und seit Mitte Mai vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf den Almen oberhalb von Bagnères-de-Bigorre neue Schandtaten der „Serienkillerin“ gemeldet werden.

Eine Übertreibung? Nein. Jene spezielle Einheit der Gendarmerie, die die Position der mit Funk-Halsbändern ausgestatteten Bären verfolgt, hat angesichts der Spuren die Identität der Täterin in fast allen Fällen bestätigt. Und selbst François Arcangeli, einer der glühendsten Befürworter des Auswilderungsprogramms, muss zugeben, dass Franska ein „Problembär“ ist. Der Bürgermeister des Pyrenäen-Dorfes Arbas hat als letzter seine Unterschrift unter eine Petition gesetzt, die den Präfekten auffordert, die siebenjährige Braunbärin sofort unschädlich zu machen.

Für die Gegner ist die Ansiedelung von Meister Petz ein idiotischer Einfall von Pariser Salon-Ökologen. Die Befürworter der Bären-Ansiedlung, von denen viele auf zusätzliche Tourismus-Einnahmen hoffen, verweisen hingegen auf die Statistik: Lediglich 119 Schafe rissen die Pyrenäen-Bären im vergangenen Jahr, 129 waren es 2005. Und selbst wenn Franska die Zahlen nun in die Höhe treibt, fallen vier oder fünf Mal so viele Schafe jedes Jahr streunenden Hunden zum Opfer. „Wenn der Präfekt das Problem Franska nicht regelt, tun wir es“, droht Schäfer Lannes. Ihm oder einem seiner Kollegen werde „das Biest“ schon noch vor die Flinte laufen. Wobei klar ist, dass der streng verbotene Abschuss eines Braunbären sofort zur Einleitung eines Gerichtsverfahrens führt - was wiederum die Gemüter endgültig zum Überkochen bringen würde.

Es sei denn, Frédéric Decaluwe behält Recht. Der Tierarzt und Bärenkenner hält Frust über ein fehlendes Männchen für den Auslöser von Franskas Bluttaten. „Die Bärin ist viel unterwegs und ungewöhnlich gefräßig, weil sie brünstig ist und nach einem Partner zur Paarung sucht“, glaubt Decaluwe zu wissen. Mit anderen Worten: Sollte Franska endlich einen „Lover“ finden, dürfte der Liebes- den Blutrausch ersetzen.



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