Erstellt 05.07.07, 20:29h
Spanien hat deshalb einen „Antiquallen-Plan“ beschlossen. Er sieht unter anderem vor, landesweit die Küstenwache sowie Fischer und Tausende freiwillige Bootsbesitzer zu mobilisieren. Werden irgendwo größere Bänke der Tiere geortet, sollen sie das Rote Kreuz und die zuständigen Behörden vor Ort informieren, damit Badegäste rechtzeitig gewarnt werden können. Wie bereits in einigen Regionen üblich, sollen die Quallen dann mit Netzen eingefangen werden.
Völlig quallenfreie Strände könne man aber nicht garantieren, heißt es im Madrider Umweltministerium. Kritiker bemängeln, das Budget von nur 400 000 sei für den „Plan Medusa“ unzureichend. Schließlich mussten bereits 2006 Tausende Urlauber von Sanitätern behandelt werden, weil sie mit Quallen in Kontakt kamen. Allein die Behörden Kataloniens lassen sich den Kampf gegen die Medusen an der Costa Brava und der Costa Dorada rund 300 000 Euro kosten.
Allerdings ist die Quallenjagd auch nicht einfach. Kilometerlange Netze im Wasser zu verankern, wie es manche fordern, sei unwirksam, sagt der renommierte Meeresbiologe Josep María Gili, der die Regierung in dieser Sache berät.
„Wenn die Quallen in den Netzen hängen bleiben, lösen sich deren Tentakel, treiben an die Küste und können Badende trotzdem verbrennen.“ Außerdem könnten sich auch andere Tiere in den Netzen verfangen. Es mache nur Sinn, die Quallen aus dem Wasser zu schöpfen, wenn sie sich bereits 50 bis 100 Meter vor dem Strand befinden, weil sie dann meist schon tot seien.
Einige Gründe der rapiden Ausbreitung kennen die Experten bereits: Wegen der Überfischung des Mittelmeeres haben die von Plankton lebenden Quallen kaum noch natürliche Feinde wie Thunfisch, Schwertfisch oder Schildkröten. Auch Nahrungskonkurrenten wie Sardinen werden rar. Zudem begünstigt das ungewöhnlich warme Wasser die Vermehrung. Und nicht zuletzt gelangt wegen der seit Jahren andauernden Dürre in Spanien weniger Flusswasser ins Meer.
Schildkröten
als Gegenwehr
Süßwasser wirkt gegen Quallen wie eine natürliche Barriere. Viele Fachleute sehen deshalb auch einen Zusammenhang mit dem weltweiten Klimawandel.
In Andalusien im Süden Spaniens versuchen die Behörden, einer Plage auf natürliche Weise vorzubeugen: In Málaga läuft ein Pilotprojekt zur Züchtung der Karettschildkröte (Caretta caretta). Ausgewachsene Exemplare könnten in einer Woche bis zu einer Tonne der Nesseltiere fressen, heißt es.
Wer dennoch mit einer Qualle in Berührung kommt, sollte die betroffene Stelle sofort mit Salzwasser spülen und die Nesselkapseln so schnell es geht mit Haushalts-essig unschädlich machen. Möglichst sollten Handschuhe benutzt werden. Anschließend kann die Haut mit Eis gekühlt werden, das jedoch nicht direkt, sondern im Beutel aufgetragen werden sollte. (dpa)
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22. April 2012,
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