Von STEPHAN BROCKMEIER, 13.07.07, 20:23h
In diesem 2400-Seelen-Ort soll am 2. August die Kölner Krimi-Autorin Myriane Angelowski aus ihrem Roman „Gegen die Zeit“ lesen - eine Mords-Geschichte, die in Marialinden ihr grausiges Ende findet. Doch wenn die Vorwürfe zutreffen, die am 24. Juli unter dem Aktenzeichen 8003 Js 7096 / 05 vor dem Schwurgericht Trier verhandelt werden, dann ist die Wirklichkeit weitaus grausiger als ein Roman.
Im Jahr 1999 soll es in Marialinden das fast perfekte Verbrechen gegeben haben. Ein Verbrechen, das nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nur deshalb entdeckt wurde, weil eine der beiden Angeklagten, die psychisch kranke Manuela M. (41), nach fast sechs Jahren die Nerven verlor und bei der Polizei in Bitburg ein Geständnis ablegte, das sie später widerrief. Die Behörden ermittelten weiter; Ende vergangenen Jahres erging Haftbefehl gegen die Frauen. Nun wird in Trier verhandelt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Gertrud M. (58), der Ehefrau des Toten, versuchten Mord und ihrer Tochter Manuela (41) Totschlag vor. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und wegen angeblicher gewalttätiger Übergriffe ihres Mannes habe Gertrud M. beschlossen, ihren Mann, einen technischen Zeichner, langsam mit Medikamenten zu vergiften. Tochter Manuela habe das gewusst, ihrem Vater aber nicht geholfen.
Die Neuroleptika, so die Ermittler, hätten schnell Wirkung gezeigt: Der Familienvater sei „apathisch geworden, habe sich vor Schmerzen im Bett gekrümmt und eine Zeit reglos im Bett verbracht“, fasst Richterin Claudia Stadler, Pressesprecherin des Trierer Landgerichts, die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft zusammen. Um dem Leiden des Vaters ein Ende zu setzen, habe Manuela M. ein Segeltau geholt und den Vater erdrosselt.
Noch in der gleichen Nacht hätten die beiden Frauen den Leichnam des Vaters nach Südfrankreich gefahren und ihn dort verscharrt. Als die französische Polizei den Toten fand, konnte sie ihn nicht identifizieren: Es gab ja keinen Vermissten.
Denn vermisst wurde Karl-Heinz M. nicht. Für die Nachbarn, für die Verwandten und für die Behörden ließen die beiden Frauen laut Anklage den Toten weiterleben. Gertrud M. soll auf diese Weise jahrelang weiter Rente für den Mann kassiert haben.
„Uns hat die Trude damals gesagt, Karl-Heinz sei nach Südfrankreich gegangen und baue sich dort ein Haus“, beschreibt eine frühere Nachbarin im Gespräch mit der Rundschau ihre Erinnerungen. Den Verwandten hätten die Frauen dagegen erzählt, der Mann sei nun in Italien.
Von dem mutmaßlichen Verbrechen haben die Nachbarn damals nichts bemerkt. „So sehr viel Kontakt hatten wir nicht. Ich habe 1999 mal dort geklingelt, um für eine goldene Hochzeit zu sammeln. Da sah Karl-Heinz M. ganz, ganz schlecht und krank aus.“
Ob sich der Tod des Familienvaters wirklich so abgespielt hat, wie von der Staatsanwaltschaft vermutet, wird ab dem 24. Juli der Prozess in Trier ergeben. Angesetzt sind dafür sechs Verhandlungstage. Ein Gutachter hat der Tochter, die sich in psychiatrischer Behandlung befindet, Verhandlungsfähigkeit bescheinigt. Die Mutter ist derzeit wieder auf freiem Fuß.
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