Von ANNEKE SCHAEFER, 15.07.07, 19:59h, aktualisiert 23.07.07, 05:44h
388 Tage lang hat China noch Zeit, sich auf die Spiele vorzubereiten. Seit Jahren ist Peking eine gigantische Baustelle. „Wer seit fünf Jahren nicht mehr in der Stadt war, erkennt Peking wohl nicht mehr wieder“, sagt der Architekt Thomas Glöckner, der das neue Turnstadion entworfen hat, ein rund 75 Millionen Euro schweres Projekt.
Über 30 Milliarden Euro soll sich China die Modernisierung seiner Hauptstadt kosten lassen. Der größte Teil geht in die Infrastruktur, darauf folgt die Umweltpolitik und der Bau der Wettkampfstätten. Wie das olympische Dorf in die Stadt integriert werden soll, haben Städteplaner lange diskutiert. 2001 überzeugte China das Internationale Olympische Kommittee schließlich mit einem Plan, der Olympia im besser entwicklten Norden Pekings ansiedelt. Peking ist in seiner 3000-jährigen Geschichte an einer Nord-Süd-Achse gewachsen, der Zentralachse. Diese wird nun Richtung Norden verlängert, und soll in einem neuangelegten, um die Stadt führenden Grüngürtel auslaufen. Gerade kündigte die Kommission für Stadtplanung an, 30 weitere Parks zu bauen, schließlich sollen die Spiele grün werden. Die Zentralachse ist über eine weitere Achse mit dem Olympischen Dorf verbunden.
Doch dort wo die neuen grünen Parks entstehen, war vorher nicht etwa Wüste: Auf der deutschsprachigen Internetseite des chinesichen Auslandsrundfunks CRI lamentieren die Autoren, dass „eine gewisse Disharmonie“ das Stadtbild präge: Wolkenkratzer sind demnach von „schäbigen Flachbauten“ umgeben, und an breiten Straßen stünden „chaotisch angeordnete Gebäude“. Um diese Disharmonie schleunigst loszuwerden, kam Olympia gerade recht. Schwerpunkt der Stadtsanierung sind dabei die Armenviertel, die Hutongs, die oft illegal errichtet wurden. Zuständig für die Stadtsanierung ist laut CRI Lu Haijun. Er berichtet zufrieden vom Abriss 55 solcher Viertel im vergangenen Jahr. Eines davon sei zu einer Parkanlage „umgebaut“ worden. Die ehemaligen Bewohner seien in neue, besser ausgestattete Wohnviertel umgesiedelt worden.
Doch die Realität ist oft eine andere: Den einen sind die Hutongs als Schandfleck des Elends ein Dorn im Auge, die anderen kämpfen um den Erhalt ihrer Kultur und Tradition. Immer wieder wird von Zwangsumsiedlungen berichtet. Zwar ist gesetzlich festgelegt, dass den Bewohnern eine Entschädigung zusteht. Oft müssen Menschen aber ihre Häuser, in denen ihre Familien seit Jahrzehnten wohnen, innerhalb weniger Stunden räumen, oder kommen nach Hause und finden nur noch Ruinen vor. Die Umsiedlung von 3000 Familien soll 155 Millionen Euro gekostet haben, meldet „Chinaseite.de“.
Vielleicht auch um sich vor Racheakten an den Prestigebauten zu schützen, werden alle Baustellen der Wettkampfzentren videoüberwacht, ohne tote Winkel. Das neue nationale Schwimmstadion, genannt Wasserwürfel, kostet 100 Millionen Euro, mit seiner blauen Außenfassade in Wabenstruktur soll es an Schaum erinnern. Mit fünf Becken und 80 000 Quadratmetern wird der Würfel die größte Schwimmhalle der Welt. Ein weiterer Rekord: Das so genannte Vogelnest der Baseler Architekten Herzog & de Meuron, die auch die Münchner Allianz-Arena entworfen haben. Das gewaltige Stadion besteht aus 42 000 Tonnen verschlungenem Stahlgeflecht. Allein das Vogelnest für 91 000 Zuschauer soll über 300 Millionen Euro verschlingen. 2004 mussten die Bauarbeiten an mehreren Stellen vorrübergehend gestoppt werden, weil die Kosten zu explodieren drohten. 31 Austragungsorte wird es allein in Peking geben, dazu kommen Reiten in Hongkong und Segeln in Qingdao. Mitten im Bau befindet sich auch das Sendezentrum des staatlichen chinesischen Fernsehens CCTV. Kosten: knapp eine halbe Milliarde. Die eigenwillige Konstruktion zählt zu den kompliziertesten Gebäuden der Welt. Auch auf dieser Baustelle tickt die Uhr, vieles soll bis zum Jahresende fertig sein. Spätestens am 25. Juli 2008 sollen die Bagger stillstehen, um zwei Wochen darauf die Spiele zu eröffnen. Bis dahin sind ja noch 388 Tage Zeit.
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22. April 2012,
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