Schriftgröße

Senioren: Nach Unfall nur Fahrten im Viertel

Erstellt 25.07.07, 20:58h

Der Kölner Psychologe und Verkehrsgutachter Egon Stephan spricht sich für einen eingeschränkten Seniorenführerschein aus. Mit ihm sprach Ralph Kohkemper über das Für und Wider des neuen Vorschlags.

Bild: dpa
Bild vergrößern
Ein eigener Führerschein für Senioren, ist das sinnvoll?
Bild: dpa
Bild verkleinern
Ein eigener Führerschein für Senioren, ist das sinnvoll?
Der Kölner Psychologe und Verkehrsgutachter Egon Stephan spricht sich für einen eingeschränkten Seniorenführerschein aus. Mit ihm sprach Ralph Kohkemper

Wollen Sie den Älteren den Führerschein wegnehmen?

Nein, im Gegenteil. Es geht darum, Älteren, die nicht mehr so leistungsfähig sind, um nach Spanien zu fahren oder auf der Autobahn unterwegs zu sein, weiterhin am vertrauten Verkehr teilnehmen zu lassen. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, dort zu fahren, wo sie sich auskennen.

Welche Personengruppe sprechen Sie damit an?

Ältere, die schon aufgefallen sind, die bereits ein Problem im Verkehr gehabt haben. Das kann ein kleiner Unfall gewesen sein, wo bei der Unfallaufnahme und der späteren Auseinandersetzung die Frage im Raum steht: Kann derjenige überhaupt noch fahren? Da ist die bedingte Eignung ein Kompromiss.

Das ist Ihr Vorschlag für solche Fälle? Ein örtlich begrenzter Führerschein?

Ja.

Von welcher Altersgruppe sprechen Sie dabei?

Das ist individuell ganz unterschiedlich. Ich kenne Menschen, die mit Ende 80 ein großes Fahrzeug souverän beherrschen, und es gibt solche, die Anfang 70 sind und das nicht mehr können. Die Leistungsfähigkeit lässt unterschiedlich nach. Das hängt davon ab, wie fit der Einzelne noch ist.

Was ist mit dem Autofahrer, der schon älter ist, aber bisher nicht aufgefallen ist?

Der hat nichts zu befürchten.

Schließlich sind Senioren nicht so häufig an Unfällen beteiligt.

Das stimmt, allerdings steigt dies mit höherem Alter wieder an. Dennoch: Ältere sind vor allem weniger an schweren Unfällen beteiligt. Das Risiko durch ältere Fahrer ist in der Regel deutlich geringer als bei jungen Fahrern bis 25.

Und wenn nun Bedenken bestehen?

Wenn nach einem Unfall Bedenken bestehen, dann kann die Verkehrsbehörde ein medizinisch-psychologisches Gutachten einfordern. Die Gutachter stehen aber oft vor der Frage: Ganz oder gar nicht. Behält der Betroffene dann seinen Führerschein, könnte er denken, dass er auch wieder unbesorgt auf die Autobahn fahren kann, obwohl das für ihn und die anderen lebensgefährdend sein könnte. Gerade bei nachlassender Leistungsfähigkeit bemerkt es der Betroffene oft selbst nicht mehr, wenn er in eine kritische Situation gerät.

Wie sieht da Ihr Ansatz aus?

Eine Untersuchung mit freiwilligen Senioren soll herausfinden, wie groß der Gewinn ist, nur im vertrauten Umfeld, am eigenen Wohnort oder im eigenen Viertel zu fahren, und wie viel Sicherheitsgefühl dieses Fahren bringt.

Welche Schlüsse ließen solche Untersuchungen zu?

Ich kann dann als Leiter der Obergutachtenstelle NRW der Verkehrsbehörde entsprechende Vorschläge machen. Ich kenne den Fall einer Studienrätin, Ende 80, aus Heidelberg, die hatte schon mehrere negative Gutachten. Ich habe sie untersucht und bin zu dem Schluss gekommen: Sie kann den Nahbereich befahren. Es war nur eine Straße, aber für sie existenziell - von ihrem Wohnhaus auf dem Berg runter zu den Ärzten und Geschäften. Von solchen Regelungen hätte auch die Gemeinschaft etwas, denn Ältere könnten auf diese Weise länger alleine ihren Alltag bewältigen.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


RHEINLAND WETTER


Anzeige


Bildergalerien


Videonews Welt


Rundschau-Forum


Rundschau-Service


Ihre Top-Artikel



SERVICE



Extra


Dienste