Von KERSTIN THESING, 21.08.07, 19:41h, aktualisiert 21.08.07, 19:45h
Vor allen zur Verfügung stehenden Kameras und Radio-Mikrofonen sowie vor der regionalen und überregionalen Presse hatte Daum darauf gepocht, dass der Linienrichter beim Ausgleichstor durch Adil Chihi (48.) „bewusst“ auf Abseits entschieden und so dem FC die Chance auf einen anderen Spielverlauf genommen habe. „So eindeutig wars nicht“, befand indes Guido Buchwald: „Und die Kölner hatten danach noch 42, 43 Minuten Zeit ein Tor zu erzielen, von daher kann ich nicht nachvollziehen, dass diese Situation spielentscheidend gewesen sein soll.“ Die Meinung des Aachener Trainers teilten die meisten, nicht aber Christoph Daum. Der vermutete hinter der erneuten Fehlentscheidung gar eine Verschwörung gegen seinen Verein: „Beim 1. FC Köln kann das mal passieren, denen geht es ja eh so gut“, unterstellte der 53-Jährige mangelnde Sorgfalt beim Schiedsgericht und ergänzte: „Sie haben vielleicht im Unterbewusstsein: Wenn die nicht aufsteigen ist das nicht so schlimm.“
Es war der - abgesehen von der 48. Minute - souveräne Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf, der das Fass bei Daum zum Überlaufen gebracht hatte. Nach dem Spiel hatte der Unparteiische Besuch von Michael Meier bekommen. Der FC-Manager geht nach jeder Partie kurz beim Spielleiter vorbei. Diesmal kam er mit einer Entschuldigung für die Fehlentscheidung zurück. „Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass sich Schiedsrichter hinterher bei uns entschuldigen“, war Christoph Daum selbst durch die Reue Meyers nicht zu beruhigen: „Davon kannst du auf Dauer nicht leben.“
Tatsächlich sind die Geißböcke in der letzten Saison des Öfteren benachteiligt worden. Während Daum in der ersten Erregung noch von sieben bis acht Fällen sprach, schraubte Manager Meier die Zahl später auf drei bis vier zurück. Fehlentscheidungen, wie beim 1:2 gegen den Karlsruher SC am 5. März, als Milivoje Novakovic das Tor traf und fälschlicherweise auf Abseits entschieden wurde. Aber eine alte Fußballer-Weisheit sagt, dass sich die Fehlurteile der Schiedsrichter am Ende einer Saison ausgleichen. Und so würde auch kein FC-Verantwortlicher ernsthaft behaupten, dass der 1. FC Köln im vergangenen Jahr den Aufstieg verpasst hat, weil sich die Linienrichter zu einer Front gegen den Club vereinigten.
Nun könnte Daum neben seinem Kampf um mehr Gerechtigkeit bei der Spielleitung von Partien des 1. FC Köln noch ein anderes Ziel verfolgen: Nämlich die Diskussion von den Problemen seiner Mannschaft auf den Unparteiischen zu lenken. Das dürfte dem Routinier vorübergehend gelungen sein. Es ist allerdings ein gewagtes und nicht zuletzt teures Spiel. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitete umgehend ein Ermittlungsverfahren gegen Daum ein.
Der Trainer muss bis Montag Stellung nehmen und ruderte gestern schon mal zurück: „Ich weiß, dass der DFB seine Schiedsrichter schützen will und muss, aber ich hoffe auf Fairness, weil ich nie von irgendeiner Absicht gesprochen habe“, sagte der 53-Jährige. Von einer „bewussten“ Entscheidung habe er gesprochen, weil dem Linienrichter in dieser Situation nicht die Sicht versperrt gewesen sei. Sollte der Kontrollausschuss Daum dies abnehmen, dürfte eine Geldstrafe und eventuell die zwischenzeitliche Verbannung auf die Tribüne folgen. Falls „bewusste Fehlentscheidung“ doch als „absichtliche Benachteiligung“ also als Manipulation interpretiert würde, droht dem FC die Schaffung eines Präzedenzfalls.
Manager Meier stellte sich derweil hinter seinen Trainer. „Christoph Daum nennt doch nur Fakten. Es ist nicht gerecht zu sagen, er mache zur Ablenkung einen Nebenkriegsschauplatz auf. Er macht einen Hauptkriegsschauplatz auf, nämlich dass man ein Spiel auch manipulieren kann.“
Dabei böte der „Schauplatz Mannschaft“ nach der Leistung beim 0:1 gegen Aachen eigentlich Gesprächsstoff genug. Denn der FC offenbarte verblüffend ähnliche Schwächen, wie in der vergangenen Saison. Gegen einen in der Defensive gut aufgestellten Gegner kommen die Geißböcke zu selten zum Torerfolg. „Wir haben zu viele hohe Bälle gespielt, das kann nicht unsere Waffe sein“, analysierte der insgesamt blasse FC-Kapitän Patrick Helmes: „Wir müssen versuchen, den Ball flach zu halten.“ Auf und neben dem Spielfeldrand.
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22. April 2012,
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