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Suche nach Strategien

Von DIETER WOLF, 13.09.07, 12:01h

„Warum wird die Stadt erst jetzt aktiv? Warum guckt der Rat nicht hin? Und warum kommt so wenig bei uns an?“ Dies waren Fragen, die Jugendliche in der Bürgerfragestunde...

PULHEIM.„Warum wird die Stadt erst jetzt aktiv? Warum guckt der Rat nicht hin? Und warum kommt so wenig bei uns an?“ Dies waren Fragen, die Jugendliche in der Bürgerfragestunde an die Adresse von Rat und Verwaltung der Stadt Pulheim richteten.

Gemeint ist der offizielle Umgang mit den rechtsgerichteten Sprüchen und Plakaten in der gesamten Stadt. Rund 50 Schüler waren zur Ratssitzung am Dienstagabend gekommen, um Fragen zu stellen. In einem Schreiben hatten sie eine Ergänzung der Tagesordnung zum Thema „Rechtsextremismus in Pulheim“ beantragt.

Bürgermeister Karl August Morisse betonte, wie ernst man die Ereignisse nehme. Er erinnerte daran, dass er entsetzt gewesen sei, wie er die Stadt nach seinem Urlaub vorgefunden habe. Morisse verwies darauf, dass der Rat deshalb eine gemeinsame Resolution verabschiedet habe und mittlerweile Tausende Euro in die Beseitigung der Schmierereien investiert habe.

Immer wieder bekräftigte Morisse, welche Anstrengungen vonseiten der Stadt in dieser Frage unternommen worden seien. Jedoch nicht alles wirkte nach Ansicht der jungen Leute offenbar überzeugend. Morisse hatte seine liebe Not, beim Gespräch mit der Jugend zu überzeugen. Seine Antworten waren den jungen Leuten zu pragmatisch. Das Thema war indes prädestiniert, Missverständnisse, Fehlinterpretationen und Verstimmungen hervorzurufen.

Die Schüler vermissten, so der Tenor vieler Wortbeiträge, die öffentliche Entrüstung der Politik, forderten mehr Engagement gegen die rechten Umtriebe. Morisse und die Ratsvertreter verwiesen allerdings darauf, den Rechten durch eine Überbewertung ihres Treibens kein zusätzliches Forum bieten zu wollen.

Das sahen die jungen Menschen völlig anders. Sie vertraten die Auffassung, gerade durch Veranstaltungen und öffentliche Diskussionen rechte Kräfte nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. „Versuchen Sie es doch mal mit unserer Strategie“, bat eine Schülerin, „wir wollen doch, dass sich Pulheim besser fühlt“.

Der Rat tat sich, das wurde bei der Fragestunde deutlich, schwer, die Sorgen der jungen Bürger zu verstehen. Die jungen Menschen wissen: Diejenigen, die die rechtsradikalen Schmierereien und Aufkleber verbreiten, sind Altersgenossen. Sie fühlen sich durch ihr Alter näher am Geschehen und an den Tätern. Viele Schüler mochten bei ihren Wortmeldungen nicht ihre Namen nennen, um keinen Repressalien ausgeliefert zu sein.

Beigeordneter Florian Herpel kündigte an, dass die Pulheimer Stadtverwaltung am 12. Oktober Lehrer und Erzieher zu einer Fachdiskussion eingeladen habe. Hier wolle man nach Strategien suchen, Jugendliche besser zu erreichen.



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