Von M. Grabitz, 13.09.07, 19:28h, aktualisiert 13.09.07, 20:21h
Allerdings ist die Bundesregierung wohl beraten, die Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes nicht zu überschätzen. Bisher waren hierzulande sogar für Computerexperten aus Polen die Schotten weitgehend dicht. Wenn sich Deutschland nun öffnen will, verkennt die Regierung allzu leicht, dass in Ländern wie Tschechien, der Slowakei oder Polen bereits seit Jahren der Maschinenbau boomt. Die dortigen Märkte konkurrieren längst mit Deutschland um die raren Fachkräfte.
Dies hat bereits dazu geführt, dass das Lohngefälle zwischen Prag und Dresden, zumindest in den einschlägigen Branchen, immer geringer wird. Während in Deutschland Selbstständige derzeit nur willkommen sind, wenn sie eine halbe Million Euro mitbringen und fünf neue Jobs schaffen, machen östliche Beitrittsländer bereits Ingenieuren aus Nicht-EU-Ländern sehr viel mutigere Angebote.
Selbst wenn sich Deutschland einen Ruck gibt und mehr bei der Zuwanderung riskiert: Gleichzeitig müssen die Unternehmen davon überzeugt werden, wieder mehr in die Aus- und Fortbildung der heimischen Arbeitskräfte zu investieren. Zudem gibt es im Heer der frühverrenteten Ingenieure sicher so manchen, der zum beruflichen Neustart bereit wäre.
Beide Ansätze sollten gleichzeitig verfolgt werden - die Öffnung zum Ausland wie auch die Qualifikation im Inland. Ansonsten müsste die Politik eines Tages womöglich erkennen, dass Ausländer viel zu wenig Interesse haben, nach Deutschland zu kommen, und die hiesigen Arbeitslosen inzwischen zu alt geworden sind, um sie noch zu reaktivieren.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige