Erstellt 12.09.07, 15:16h, aktualisiert 12.09.07, 19:51h
"Das ist die Hölle hier", sagte ein Mitarbeiter des "Media Markts" im Chaos kurz nach Mitternacht. Verzweifelt versuchten die Angestellten, die Menschenmasse in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken. Doch selbst rund 70 Sicherheitsleute des Marktes konnten den Ansturm auf die nach Firmenangaben mit 8000 Quadratmetern weltweit größte Filiale der Kette nicht unter Kontrolle bekommen. Zusätzlich mussten 100 Polizisten den überforderten Ordnern zur Hilfe eilen.
In der Warteschlange vor dem Gebäude war es schon vor der Öffnung zu Rangeleien gekommen. Innen geriet die Situation bald außer Kontrolle. Die Glastür des "Alexa"-Haupteingangs hielt dem Andrang nicht stand und zersplitterte. Einige Schnäppchenjäger zogen sich Schnittwunden zu.
Rettungskräfte rückten aus. Menschen fielen in Ohnmacht, andere verletzten sich an den Knien. Gegen 1.00 Uhr wurde die Lage unübersichtlich. Als der Andrang zu groß wurde, forderte die Polizei die Käufer mit Lautsprechern auf, das Gebäude sofort zu verlassen. Die Türen wurden danach bis in den frühen Morgen geschlossen.
Der Filialist, der in Berlin und Brandenburg schon 15 Märkte betreibt, zeigte sich von dem Ansturm überrascht. "Wir waren sehr erstaunt, dass so viele Menschen in der Nacht zur Eröffnung kommen -Berlin schläft anscheinend nie", sagte ein Unternehmenssprecher. Schnäppchen wie etwa ein Laptop für weniger als 500 Euro, ein Mobiltelefon für 39 Euro oder eine Digitalkamera für 130 Euro könnten den Andrang ausgelöst haben. Der Schaden sei noch nicht abzuschätzen. Eine Rolltreppe sei beschädigt worden, Diebstähle seien bisher aber nicht festgestellt worden.
Der "Media Markt" gehört zum neuen "Alexa"-Einkaufszentrum, das mit 180 Geschäften am Donnerstag am Alexanderplatz eröffnet wurde und an die Blütezeit des Traditionsplatzes anknüpfen soll. Seit der Wende wurden in Berlin dutzende Einkaufszentren aus dem Boden gestampft. Mittlerweile gibt es fast 60 davon.
Massenanstürme auf Geschäfte und Sehenswürdigkeiten sind in Berlin keine Seltenheit. Als im März das KaDeWe seinen 100-jährigen Geburtstag mit 5000 Tortenstücken feierte, bildeten sich bereits am frühen Morgen lange Schlangen vor dem Kaufhaus. Am Zoo-Gehege von Eisbär Knut mussten Ordner den Andrang der Tierliebhaber bewältigen. Zur Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs 2006 kamen rund eine halbe Million Menschen. Und schon 1936 verlor der Chef des Olympischen Dorfes seinen Job, nachdem Hunderttausende in der Sportlerunterkunft vor den Toren Berlins bei einem Tag der offenen Tür schwere Schäden angerichtet hatten.
(dpa)
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