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In Deutschland zu wenig Studenten

Von NORBERT WALLET, 18.09.07, 18:55h, aktualisiert 18.09.07, 18:56h

Fortschritt ist eine Schnecke. Die kommt zwar auch voran, aber auf der Überholspur ist ziemlich viel Betrieb. Das deutsche Bildungssystem ist in diesem Sinne ausgesprochen schneckenhaft.

Studenten an Universität Köln
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Stress im Studium: Immer mehr Studenten leiden am Burn-out-Syndrom. (Bild: dpa)
Studenten an Universität Köln
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Stress im Studium: Immer mehr Studenten leiden am Burn-out-Syndrom. (Bild: dpa)
Berlin - Fortschritt ist eine Schnecke. Die kommt zwar auch voran, aber auf der Überholspur ist ziemlich viel Betrieb. Das deutsche Bildungssystem ist in diesem Sinne ausgesprochen schneckenhaft. Es gibt hie und da Fortschritte, aber andere Industrienationen ziehen rasant an uns vorbei.

Auf die Dauer muss das zu erheblichen Problemen führen. Welche das sind, führt die jüngste Bildungsstudie der OECD auf, die unter anderem in Berlin vorgestellt wurde. Sie beschäftigt sich diesmal vor allem mit der akademischen Ausbildung. Danach ist in Deutschland ein eklatanter Mangel an Ingenieuren programmiert. Bei diesen Studiengängen gibt es in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen nur 0,9-mal so viele Hochschulabsolventen wie bei den 55-64-Jährigen. Im Schnitt der untersuchten Industrieländer gibt es aber 1,9-mal so viele jüngere Nachrücker.

Das ist nur ein Beispiel für heimische Probleme. Die kreisen immer um einen Punkt: Wir sind nicht schnell genug. Einige Beispiele:

Studierende: Seit 1995 hat sich die Zahl der eingeschriebenen Studierenden im tertiären Bildungsbereich, also vor allem Hoch- und Fachhochschulen, um fünf Prozent erhöht - im OECD-Schnitt dagegen um 41 Prozent.

Abschlussquote: Die stieg bei Unis und Fachhochschulen in Deutschland von 14 Prozent eines Jahrgangs im Jahr 2000 auf 20 Prozent 2005. Im OECD-Mittel stieg der Wert aber von 20 auf 26 Prozent.

Studienanfänger: In Deutschland stieg die Quote von 26 Prozent (2000) auf 36 Prozent (2005). Sie blieb aber seit 2002 fast unverändert und lag 2005 sogar unter dem Vorjahreswert. Dagegen beginnt im OECD-Schnitt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs eine akademische Ausbildung. In Ländern wie Australien, Finnland, Norwegen, Schweden oder auch Polen sind es 70 oder mehr Prozent. Bedrückend bleibt in Deutschland der enge Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand des Elternhauses und der Bildungskarriere der Kinder

Chancengleichheit: In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit eines Studiums für Kinder aus Arbeiterfamilien weniger als halb so hoch wie es angesichts ihres Anteils an der Bevölkerung zu erwarten wäre. In keinem der untersuchten europäischen Staaten liegt dieser Wert so niedrig.

OECD-Generalsekretär Angel Gurria ist ein freundlicher Mann. Er lobte Deutschland als eines der Länder, das die Ergebnisse der OECD-Studien am genauesten registriert. Das sollte seine Kritik, die er moderat, aber deutlich anbrachte, nett einpacken. Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass er das dreigliedrige Schulsystem für viel zu undurchlässig hält. „Kinder werden hier bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familie kommt, wird dabei eher auf einen Weg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt.“ Dabei lobte Gurria ausdrücklich das duale Ausbildungssystem. Aber sinnvoll sei es nur, „wenn der Zug dort nicht anhält“, wenn also danach der akademische Zugang eröffnet wird.



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